Übersetzungen von Udo Lorenzen
Laozi, Kap.2
Wenn alle Welt das Schöne als Solches erkennt,
ist damit auch das Hässliche gegeben.
Wenn jeder das Gute als gut erkennt,
wird damit das Böse gegeben.
Daraus folgt:
Vorhanden und Nicht-Vorhanden erzeugen sich gegenseitig,
schwer und leicht vollenden einander,
lang und kurz bilden einander den Maßstab,
hoch und niedrig verneigen sich voreinander,
Stimme und Schall harmonieren zusammen,
bevor und danach folgen aufeinander.
Deshalb der Weise:
Er handelt im Nicht-Tun,
seine Lehre ist, ohne Worte zu handeln,
so hat er Einfluss auf die Entwicklung der Dinge.
Er erzeugt und besitzt nicht,
er wirkt, ohne sich etwas darauf einzubilden,
nach verdienstvoller Leistung verharrt er nicht darauf,
Ach, weil er anhäuft, aber nicht festhält,
wird ihm auch nichts genommen!
Laozi, Kap. 3
Den Rechtschaffenen nicht zu sehr zu schätzen,
macht, das Menschen sich nicht streiten.
Schwer zu erlangende Güter nicht anzupreisen,
macht, das Menschen nicht stehlen.
Das Auge nicht auf mögliche Leidenschaften zu richten,
bringt das Herz nicht in Verwirrung.
Darum heilt (regiert) der Weise so:
Er ist bescheiden, sein Herz ist leer,
seine Gefühle sind aufrichtig und wahrhaftig,
sein Ehrgeiz ist nur gering.
So stärkt er seinen Charakter.
Er sorgt dafür, das die Menschen unwissend und ohne Bedürfnisse sind.
Ach, er bewirkt sogar, das auch die klugen Leute sich nicht zu wiedersetzen wagen!
Das Wu Wei praktizieren, so wird alles geheilt (kommt alles in Ordnung).