Wind die Speerspitze vieler Erkrankungen
Udo Lorenzen
"Das Universum atmet ein Qi aus, das man Wind nennt. Manchmal ist er nicht zu spüren, aber wenn er sich erhebt, dann strömt sein zorniges Heulen aus 10000 Löchern. Hast Du nie sein ohrenbetäubendes Getöse gehört?"Es gibt Felswände und Spitzen in den Bergen, Höhlen und Vertiefungen in den gewaltigen Bäumen, sie sehen wie Nasenlöcher Münder und Ohren aus, wie Flussrinnen, Tassen und Mörtel, wie Teiche und Schlammtümpel. Der Wind bläst durch sie hindurch und macht Geräusche wie röhrendes Wasser, zischende Pfeile, fluchend, atmend, schreiend, jammernd, rumpelnd und zirpend. Eine sanfte Brise produzierte eine leise Antwort, ein starker Wind provoziert eine gigantische Reaktion! Wenn der heftige Sturm sich gelegt hat, ist das große Schweigen allgegenwärtig"
Zhuang Zi, Kap 2 - Das Orgelspiel des Himmels
Schon immer hat der Wind Feng in der chinesischen Weltanschauung einen besonderen Platz eingenommen. Als Ausdruck des himmlischen Atems ist der Wind ein Aspekt im spontanen Wirken des Dao und somit integraler Bestandteil des Himmel-Erde-Mensch-Kontinuums.
Richtung und Stärke des Windes dienten den chinesischen Bauern zur Einschätzung der klimatischen Veränderungen und der zu erwartenden Ernte. Den Wahrsagern und Orakelmeistern war der Wind ein Anzeiger für gute und böse Omen, für den Schamanen und Heilkundigen Wu schließlich ein übler Einfluß, der Krankheiten verursachen konnte und einem Dämon an Macht in nichts nachstand.
Das Schriftzeichen für Feng beinhaltet ein Tor , durch das Insekten fliegen. Wenn der Wind bläst, werden die Insekten geboren (Wieger, L. 23). Das Schriftzeichen impliziert also ebenfalls Kleinstlebewesen, die, vom Wind getragen, Krankheiten verursachen können. So sind alle fieberhaften Erkrankungen, die aus westlicher Sicht durch Mikroorganismen entstehen, in der chinesischen Medizin Windkrankheiten.
Lepra z.B. (Feng ) ist die Krankheit, die durch üblen Wind entsteht.
Der Phönix (Feng ist der magische Vogel des Südens der aus der Asche empor wieder ins Leben tritt. Die Inschrift auf einem Orakelknochen lautet: "Der Phönix unterbricht seinen Flug, der Wind hat sich gelegt!"
Feng der Wind bedeutet auch: ein Gerücht und assoziiert das allgemein übliche soziale Verhalten, üble Gerüchte weiter zu verbreiten, nachdem man von ihnen Wind bekommen hat. Es ist der Wind, der üble Gerüch(t)e in jeden Winkel hineinträgt!
In der chinesischen Medizin dienen alle charakteristischen Eigenschaften des Windes zur Erfassung und Einordnung von Krankheitsbildern:
a) Die Bewegung des Windes ist nach oben und außen gerichtet:
Im menschlichen Organismus wirkt er auf den Kopf und den oberen Erwärmer sowie auf die äußeren Strukturen (Haut, Muskel-Sehnenapparat) und verursacht akute fieberhafte Erkrankungen und rheumatische Beschwerden.
b) Wind tritt in Böen auf wechselt rasch seinen Standort:
Alle plötzlich auftretenden, intermittierenden Beschwerden, wandernde Schmerzen, sind Winderkrankungen: z.B. PcP, Urtikaria, Migräne, Herpes Zoster u.a.
c) Wind ist ständig in Bewegung:
Bewegunsanomalien wie Ataxie, Rigidität, Krämpfe, Paresen, Tremor, Ophistotonus, Tics, Facialparesen, Neuralgien, Epilepsie, M. Parkinson u.v.m. haben pathogenen Wind im Krankheitsbild.
d) Wind verbindet sich gerne mit anderen pathogenen Faktoren:
Kälte und Feuchtigkeit sind von Natur aus träge und brauchen ein Vehikel, um wirksam zu werden. In Verbindung mit dem Wind entstehen Krankheitsbilder von Wind Kälte, Wind Nässe, Wind Hitze, die differenziert behandelt werden müssen (siehe später). Schon das SU WEN schreibt über den Wind: "Der Wind ist die Ursache von 100 Krankheiten." (Kap. 3)
Im folgenden werden verschiedene Konzepte über pathogenen Wind vorgestellt, die schon im NEI JING (ca. 300 v. Chr.) angelegt sind. Die Behandlungsvorschläge sind als Diskussionsbeitrag zu verstehen und sollen den Leser von zu starren Punktekombinationen lösen und Platz für eigene (energetische) Überlegungen schaffen. Die Einbindung makrokosmischer Einflüsse in die Diagnostik und Therapie sind gerade beim Wind besonders offensichtlich!
A. Die acht Leere-Winde:
Das Konzept der 8 Winde ist das älteste System zur Einordnung und Klassifizierung von Winderkrankungen. Hier werden die acht Winde der Windrose, die den 8 Trigrammen Ba Gua entsprechen, dazu verwendet, günstige oder ungünstige klimatische Konstellationen vorherzusagen. Das Tai Yi - Windorakel ist die praktische Anwendung dieser Beziehungen.
Tai Yi = das höchste Eine, wechselt während eines Jahres achtmal seinen Wohnsitz (Gong = Palast), und zwar an acht jahreszeitlichen Wendepunkten: am ersten Tag von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Frühlings- und Herbst-Gleiche sowie der Winter- und Sommer-sonnenwende.
Kommt der Wind an diesen Tagen aus der Richtung, die dem Palast entspricht, in dem Tai Yi gerade residiert, nennt man ihn "Wind der Fülle" und betrachtet ihn als günstiges Zeichen. Bläst der Wind jedoch aus einer entgegengesetzten Richtung, bedeutet das für die Orakelmeister ein schlechtes Omen und Grund zur Sorge.
Das LING SHU beschreibt ausführlich die medizinische Anwendung des Tai Yi - Windorakels:
"Zur Zeit der Wintersonnenwende begibt sich das höchste Eine Tai Yi in den Palast Ye Zhe , wo es sich für 46 Tage aufhält. Danach begibt es sich in den Palast Tian Liu SIZE=4>天 und hält sich dort für wieder 46 Tage auf. Am darauf folgenden Tag begibt es sich in den Palast Cang Men 門
für weitere 46 Tage. Am folgenden Tag darauf begibt es sich in den Palast Yin Luo , um sich dort für 45 Tage aufzuhalten. Am folgenden Tag wandert Tai Yi in den Palast Tian Gong , wo es sich wieder für 46 Tage aufhält. Danach begibt es sich in den Palast Xuan Wei für weitere 46 Tage. Anschließend wandert Tai Yi in den Palast Cang Guo <果, wo es sich ebenfalls für 46 Tage aufhält, um dann in den Palast Xin Luo zu wechseln, wo es sich dann wieder für 45 Tage aufhält. Schließlich kehrt Tai Yi zurück in den Ye Zhe - Palast zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende.Der Ye Zhe-Palast stellt ebenfalls den Ausgangspunkt für die Wanderungen des Tai Yi im täglichen Kreislauf dar. Seine täglichen Wanderungen beginnen beim Ye Zhe-Palast, der mit der Zahl 1 und dem Trigramm Kan
korrespondiert. Danach durchläuft es dann täglich die anderen Paläste im regulären Zyklus der Zahlen 1 - 9 und kehrt schließlich in den Ye Zhe -Palast zurück, der ja dem Trigramm Kan entspricht.Immer dann, wenn Tai Yi (im Jahreslauf) von einem in einen anderen Palast wechselt, muß der Himmel mit Wind und Regen darauf antworten. Wenn dann Wind und Regen harmonisch sind, wird es eine gute Ernte geben und die Menschen werden gesund sein und nur wenig Krankheiten haben. Treten jedoch Wind und Regen einige Tage vorher auf, wird es viel Regen im Jahr geben, treten Wind und Regen einige Tage verspätet auf, wird es eine starke Dürre im Jahr geben.
Wenn es zum Zeitpunkt, an dem sich Tai Yi im Jahresverlauf in der Wintersonnenwende befindet, eine Veränderung des Wetters gibt, wird dem Herrscher das Orakel vorausgesagt. Wenn es zum Zeitpunkt, an dem sich Tai Yi im Jahresverlauf in der Frühlings-Equinox befindet, ein verändertes Wetter gibt, wird dem Premierminister das Orakel vorausgesagt. Wenn es zum Zeitpunkt, an dem sich Tai Yi im Jahresverlauf im Palast des Zentrums befindet, ein verändertes Wetter gibt, wird den Beamten das Orakel vorausgesagt. Wenn es zum Zeitpunkt, an dem sich Tai Yi im Jahresverlauf in der Herbst-Equinox befindet, ein verändertes Wetter gibt, wird den Generälen das Orakel vorausgesagt. Wenn es zum Zeitpunkt, an dem sich Tai Yi im Jahresverlauf in der Sommersonnenwende befindet, ein verändertes Wetter gibt, wird dem gemeinen Volk das Orakel vorausgesagt.
Das veränderte Wetter bezeichnet schwere Witterungsveränderungen wie das Erscheinen von Sandstürmen und starken Winden, die Bäume entwurzeln können dann, wenn sich Tai Yi in seinem Jahresumlauf in einem der fünf Paläste befindet.
Man kann so das Leiden und die Krankheiten der Menschen vorhersagen, die jeweils abhängig sind von der Richtung des Windes und der Präsenz von Tai Yi in seinem jeweiligen Palast.
Wenn der Wind aus der Richtung kommt, in der sich auch das Tai Yi des Jahres befindet, nennt man das Shi Feng . Seine Aufgaben sind das Hervorbringen und Nähren aller Dinge. Er ist verbunden mit Wachstum.
Wenn der Wind aus einer Richtung kommt, die der des Tai Yi des Jahres entgegengesetzt ist, wird es sich um einen Leere-Wind Xu Feng handeln. Er verletzt die Menschen und ist verbunden mit Töten und Vernichtung. Man sollte sorgfältig die Ankunft eines Leere-Windes berechnen und ihn meiden. Weise Menschen fordern deshalb, einen solchen Wind ebenso zu meiden wie einen durch die Luft sausenden Pfeil oder Stein. So werden ihm äußere Übel nichts anhaben können.
Wenn sich Tai Yi im Jahresumlauf in den Palast des Zentrums Zhong Gong begibt, um sich den Acht Winden zu stellen, kann man gute und schlechte Omen der Erkrankungen näher bestimmen.
Den Wind, der von Süden kommt, nennt man den Da Ruo Feng (Wind der großen Schwäche). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er in das Innere des Herzens eindringen und im Äußeren in den Gefäßen verweilen; sein Qi beherscht Hitzeerkrankungen.
Den Wind, der von Südwesten kommt, nennt man den Mou Feng (Wind der Verschwörung). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er ins Innere der Milz eindringen und außen in das Muskelfleisch. Sein Qi führt zu Schwächeerkrankungen.
Den Wind, der von Westen kommt, nennt man Gang Feng ; (Wind der Stärke). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird ins Innere der Lungen eindringen und außen in die Haut. Sein Qi führt zu Krankheiten der Trockenheit.
Den Wind, der von Nordwesten kommt, nennt man Zhe Feng (zerbrechender Wind). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er ins Innere des Dünndarms eindringen und außen in der Tai Yang-Leitbahn der Hand verweilen. Ist das Qi der Leitbahn abgeschnitten (Jue , herrscht krankmachendes Qi im Überfluss. Die Wege der Leitbahn können versperrt werden und eine vollständige Blockade tritt auf. Dies kann zu einem plötzlichem Tod führen.
Den Wind, der von Norden kommt, nennt man Da Gang Feng (sehr starker Wind). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er ins Innere der Nieren eindringen und außen in die Knochen und in die Muskeln und Sehnen von Rücken, Rückgrat und Schultern. Sein Qi führt zu Kälteerkrankungen.
Den Wind, der von Nordosten kommt, nennt man Xiong Feng (grimmiger Wind). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er ins Innere des Dickdarms eindringen und außen in die Achselhöhlen und Rippenbögen.
Den Wind, der von Osten kommt, nennt man Ying Er Feng (babyhafter Wind). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er ins Innere der Leber eindringen und außen in die Muskeln und Sehnen. Sein Qi führt zu Nässe-Krankheiten.
Den Wind, der von Südosten kommt, nennt man Ruo Feng (schwächlicher Wind). Wenn dieser die Menschen schädigt, wird er ins Innere des Magens eindringen und außen ins Fleisch. Sein Qi führt zur Vermehrung des Körpergewichts.
Alle diese 8 Winde entstammen aus Bereichen des Mangels und sie können den Menschen Schaden zufügen. Wenn nun ein geschwächter Mensch in einem schwachen Jahr auf einen Leere-Wind trifft, nennt man dies die Verbindung der drei Schwächen San Xu . Dies kann zu einem plötzlichen Auftreten einer schweren Krankheit und zu einem plötzlichem Tod führen.
Ist jedoch nur eine Schwäche vorhanden, wird die Krankheit in der Regel mit Mattigkeit und Kälte, die sich mit Hitze abwechselt, einhergehen.
Wenn der Kranke von Nässe-Qi angegriffen wird und auf feuchtem Boden in einer klimatisch feuchten Gegend lebt, wird er ein Wei-Syndrom (große Schwäche der Gliedmaßen) erleiden.
Daher wird der Weise die Wind-Übel ebenso meiden wie er auch durch die Luft sausenden Steine und Pfeile meiden würde.
Wenn bei jemandem alle drei Schwächen zusammenkommen und er nochmals vom Wind-Übel getroffen wird, fällt er einfach um und bekommt eine Halbseitenlähmung."
LING SHU, Kap.77
Tai Yi = das höchste Eine, ist ein Symbol für das Dao, von dem alles Leben entspringt, die Urmutter und Wurzel von Himmel und Erde (vergl. Lao Zi Kap. 1). In diesem wichtigen Kapitel des Neijing ist der spontane Wandel des himmlischen Dao beschrieben, wonach seine Repräsentanz Tai Yi jeweils für 46 Tage einen Zeitabschnitt des chinesischen Sonnenjahres beherrscht und entsprechend auf der Erde nacheinander in 9 Palästen residiert.
Tai Yi im Menschen entspricht der angeborenen vorhimmlischen Energie, Xian Tian Zhi Qi, die als Yuan Qi wie ein Zündfunken alle energetischen Prozesse anregt. Tai Yi ist ferner ein Synonym für den Polarstern, die Achse des Himmels, im Mikrokosmos der Punkt Tian Shu (Ma 25), um die sich alles dreht. Ein bedeutender Punkt bei großer Schwäche und Leere-Erschöpfung nach dem Qian Jin Fang, ebenso bei manischen Geisteskrankheiten mit irrem Sprechen und Trancezuständen. Sun Si Miao verbietet das Nadeln dieses Punktes, wenn Hun und Po dabei sind, sich zu trennen (also wenn man im Sterben liegt), ebenso das Moxen bei Schwangeren.
Tai Yi ist auch der Name des Punktes Ma 23, ein Akupunkturpunkt, der eine besondere Wirkung auf den Shen, der All-umfassenden Seele des Menschen, besitzt. Klassische Indikationen sind u.a: das Herz ist voller Sorge, Geisteskrankheiten mit Spucken und Herausstrecken der Zunge (Zhen JiuDa Cheng).
Wie können wir diese alten Überlieferungen der gefährlichen Leere-Winde für unsere heutige Zeit nutzen? Mit Hilfe der Zahlenembleme aus dem magischen Quadrat, das ja die räumliche Darstellung der Paläste des Tai Yi und ihre Übertragung auf den Mikrokosmos ist, finden wir auch die Entsprechungen im Qi-Körper des Menschen wieder. Die feinen Verzweigungen der 8 außergewöhnlichen Gefäße Qi Jing Ba Mai stellen das verbindende Glied dar. Ihre wesentliche Funktion als Verteiler des Jing vom tiefsten Inneren bis in die Peripherie und der zyklische Rhythmus ihres Wirkens nach den Gesetzen des Himmels (Ling Gui Ba Fa die Methode der magischen Schildkröte) lassen sie zu mächtigen Schutzschildern im Kampf gegen diese üblen Leere-Winde werden.
B. Die 5 Organ-Winde:
Auch im Neijing Suwen wird heftig diskutiert, welche Schäden der Wind auf die Strukturen des Menschen hat. Das Kapitel 42 Über Wind-Übel gibt detailliert darüber Auskunft.
"
Der Gelbe Kaiser fragte: "Wenn der Wind in den Menschen eindringt, entstehen entweder abwechselnd Hitze- oder Kälte, Hitze im mittleren Erwärmer oder Kälteansammlungen dort, auch Lepra Li Feng und Halbseitenlähmungen können entstehen, manchmal greift er sogar die Fünf Zang- und die Sechs Fu-Organe an. Ich verstehe diese Vorgänge nicht und hoffe, von Ihnen eine Erklärung zu bekommen.Qi Bo erwiderte: "Wenn das Wind-Übel in die Haut eindringt, kann es weder nach innen noch nach außen zerstreut werden. Der Wind ist flink und behende und macht häufige Veränderungen. Bei geöffneten Poren der Haut schlägt der Wind mit Frösteln und Kälte zu, bei geschlossenen Poren verursacht der Wind Fieber und allgemeines Unwohlsein. Dies führt zu Appetitlosigkeit, das Fieber schränkt die Muskelfunktion ein. Wenn also der Wind Frösteln mit Kälte und Appetitlosigkeit mit sich bringt, so nennt man dies Kälte-Hitze-Erkrankung.
Der Wind dringt zum Magen über die Yang Ying-Leitbahn vor und dann nach oben zu den inneren Augenwinkeln. Bei fetten Person kann der Wind nicht nach außen abgeleitet werden und es kommt zu Hitzegefühl in der mittleren Körperregion und die Augen färben sich gelblich. Bei einer dünnen Person kann dieser leicht den Wind nach außen ableiten und Kälte empfinden. Dann sammelt sich Kälte in der mittleren Körperregion an und der Patient hat häufig Tränenfluß.
Bewegt sich der Wind weiter entlang der Tai Yang-Leitbahn, erreicht er die Shu-Punkte verschiedener Leitbahnen, verbreitet sich in den Zwischenräumen der Muskeln und beginnt einen Kampf mit dem Wei Qi <. Dies führt zu einer Blockade der Energiebahnen. Dann entstehen Schwellungen der Muskeln mit Geschwüren und da das Wei Qi blockiert ist, entstehen außerdemTaubheit und Gefühllosigkeit der Muskeln.
Lepra Li Feng (wörtl. verpesteter Wind) entsteht, wenn sich die Hitze der Fu-Organe mit dem Rong Qi vermischt und unreines Qi bildet. Dies führt zu Verfaulungen der Nase. Das Gesicht verliert an Farbe und es kommt zu aufbrechenden Geschwüren der Haut.
Kann man das Wind-Kälte-Übel in den Leitbahnen nicht entfernen, nennt man dies Lepra durch Kälte-Hitze.
Wenn man im Frühling an den Tagen Jia und Yi durch Wind verletzt wird, so handelt es sich um einen Leber-Wind.
Wenn man im Sommer an den Tagen Bing und Ding durch Wind verletzt wird, so handelt es sich um einen Herz-Wind.
Wenn man im Spätsommer an den Tagen Wu und Ji durch Wind verletzt wird, so handelt es sich um einen Milz-Wind.
Wenn man im Herbst an den Tagen Geng und Xin durch Wind verletzt wird, so handelt es sich um einen Lungen-Wind.
Wenn man im Winter an den Tagen Ren und Gui durch Wind verletzt wird, so handelt es sich um einen Nieren-Wind.
Dringt der Wind in die Shu-Punkte der Zang- und Fu-Organe ein, wird er zum Wind der 5 Zang- und 6 Fu-Organe. Durch alle diese Eintrittspforten kann der Wind eintreten und einen Halbseiten-Wind (Pian Fengverursachen.
Tritt der Wind oben am Punkt Punkt Feng Fu (Du 16) ein, dann entsteht ein Gehirn-Wind Nao Feng
Ist der Wind in die Kopfverbindungen eingedrungen, entsteht Augen-Wind Mu Feng mit Kältegefühl.
Greift der Wind einen Menschen an, der gerade Alkohol getrunken hat, entsteht ein auslaufender Wind Lou Feng .
Schwitzt man beim Geschlechtsverkehr und wird dann vom Wind angegriffen, entsteht innerer Wind Nei Feng .
Schlägt der Wind in dem Augenblick zu, wo man frisch gewaschene Haare hat, so führt dies zum Kopf-Wind Shou Feng
Bleibt der Wind für längere Zeit im mittleren (Erwärmer), so entsteht ein Eingeweide-Wind Chang Feng und Durchfall mit unverdauten Nahrungsteilen. Verweilt der Wind an der Oberfläche in der Maserung der Haut Cou Li , dann entsteht ein zertreuender Wind Xie Feng
So ist der Wind der Beginn der 100 Krankheiten. Er zeigt sich in vielen Varianten und hat keine regulären Muster, wenn er sich in andere Krankheiten umwandelt. Letztendlich ist es aber immer das Wind-Übel, welches die Krankheiten verursacht hat.
Huang Di fragt weiter: Worin unterscheiden sich denn nun genau die Anzeichen für ein Wind-Syndrom der Fünf Zang-Organe ? Ich möchte etwas über ihre Erscheinungen für die Diagnose hören!
Qi Bo erwidert: Die Anzeichen für einen Lungen-Wind Fei Feng sind: vermehrtes Schwitzen, Abneigung gegen Wind, weiße Verfärbung des Gesichts, häufiges Husten und Kurzatmigkeit, wobei die Symptome tagsüber milde sind und sich nachts verschlimmern. Bei der Betrachtung beobachte eine weiße Verfärbung oberhalb der Augenbrauen.
Die Anzeichen für einen Herz-Wind Xin Feng sind: übermäßiges Schwitzen, Abneigung gegen Wind, der Patient ist glühend heiß und ausgemergelt, hat Wutanfälle und erschrickt leicht; er hat ein rotes Gesicht, in schweren Fällen Sprachstörungen. Bei der Betrachtung beobachte eine rötliche Färbung der Zunge.
Die Anzeichen für einen Leber-Wind Gan Feng sind: übermäßiges Schwitzen, Abneigung gegen Wind, der Patient hat eine Neigung zurTraurigkeit und eine leicht gräuliche (grünliche) Verfärbung des Gesichts. Er kann nicht schlucken vor Trockenheit in der Kehle, neigt zu Wutausbrüchen und hasst Frauen. Bei der Betrachtung beobachte eine grünliche Verfärbung unter den Augen.
Die Anzeichen für einen Milz-Wind Pi Feng sind: übermäßiges Schwitzen, Abneigung gegen Wind, Schlappheit, Abneigung die Glieder zu bewegen und Abneigung zu essen. Der Patient hat eine leicht gelbliche Verfärbung des Gesichts. Bei der Betrachtung beobachte eine gelbliche Verfärbung oberhalb der Nase.
Die Anzeichen für einen Nieren-Wind Shen Feng sind: übermäßiges Schwitzen, Abneigung gegen Wind, oberflächliche Schwellungen des Gesichts, Schmerzen in Rücken und Wirbelsäule, man kann nicht aufrecht stehen, erschwerte Ausscheidungen der beiden unteren Yin. Der Patient hat eine leicht schwärzliche Verfärbung des Gesichts wie verbrannte Kohle. Bei der Betrachtung beobachte eine schwärzliche Verfärbung oberhalb des Kinns.
Die Anzeichen für einen Magen-Wind Wei Feng sind: übermäßiges Schwitzen am Hals, Abneigung gegen Wind, der Patient kann kaum essen und trinken, Kälte-Blockaden des Zwerchfells, Schwellungen am Unterleib, bei zu leichter Bekleidung entstehen Völlegefühl im Bauch, bei Essen von kalter Nahrung entsteht Durchfall. Bei der Betrachtung beobachte den dünnen Körper des Patienten mit einem großen Bauch!
Die Symptome für einen Kopf-Wind Shou Feng sind: übermäßiges Schwitzen am Kopf und im Gesicht, Abneigung gegen Wind und Kopfschmerzen. Die Beschwerden nehmen an dem Tag vor dem Wind-Angriff zu und lassen, an dem Tag, an dem der Wind extrem ist, nach. Der Patient hat Abneigung, nach draußen zu gehen.
Die Symptome für einen auslaufenden Wind Lou Feng sind: übermäßiges Schwitzen, der Patient kann keine leichte Kleidung tragen, Schweißausbrüche beim Essen, bei sehr starkem Schweißaustritt hat der Patient ein Kältegefühl am ganzen Körper und Abneigung gegen Wind. Seine Kleider sind immer schweißdurchtränkt, er hat einen trockenen Mund und viel Durst, der Patient kann nicht schwer körperlich arbeiten.
Anzeichen für einen zertreuenden Wind Xie Feng sind: übermäßiges Schwitzen, völlig vom Schweiß durchtränkte und nasse Kleidung, trockener Mund, völlig durchnäßte obere Körperhälfte, als wäre man gerade aus dem Wasser gekommen, Unfähigkeit zu schwerer körperlicher Arbeit, Schmerzen am ganzen Körper, Frösteln vor Kälte."
Huang Di sagt: ausgezeichnet!
Sun Si Miao gibt Punkte zur Behandlung der Organ-Winde an:
je 50 Moxakegel auf Du 14, Du 26 und Bl 18
(Qian Jin Yi Fang, Kap. 26)
C: Wind der ins Zentrum geht:
Zhong Feng "der Windschlag" ist eine Winderkrankung, die sehr heftig und plötzlich auftritt und lebensbedrohlich ist. Charakteristisch sind Symptome wie Sprachverlust, Halbseitenlähmung, in schweren Fällen plötzliches Koma, Bewußtlosigkeit und Inkontinenz der Ausscheidungen. Die chinesische Medizin bezeichnet ein derart schweres Krankheitsbild als "vom Wind getroffen sein" (eine andere Übersetzung für Zhong Feng).
In Analogie zur westlichen Medizin entspricht dies dem Bild der Apoplexie oder Schlaganfall und beinhaltet Gehirnthrombosen, -embolien, Ge-hirnblutungen und krampfartige Verengungen der Hirngefäße.
Ein Windschlag kann verursacht werden durch:
a) Ernährungsfehler: Vielesserei, falsche Ernährung (zuviel Süßes, Fettes, scharf Gewürztes, Alkohol- und Nikotinabusus) schwächen die Umwandlungs- und Transportfunktion der Milz und feuchte Hitze entsteht, die sich zu Schleim Tan verdichtet. Hitze-Schleim erzeugt Leber-Wind der nach als Wirbelsturm nach oben saust und das Gehirn schädigt.
b) Lebenswandel: Überbelastung und Streß, unregelmäßige Schlaf- und Wachperioden, Nachtschichten, übermäßige sexuelle Aktivität, extreme emotionale Schwankungen konsumieren das Nieren-Jing, so daß das Holz der Leber resp. das Leber-Yin nicht ausreichend ernährt wird im Sheng-Zyklus der 5 Wandlungsphasen.
Wenn das Leber-Yin zu schwach ist, wird das Leber-Yang hyperaktiv. Die TCM sagt dann: Das aufflammende Leber-Yang entwickelt sich zu Wind und schädigt das Gehirn.
c) Ein schwaches Herz-Yang: bewirkt Stagnation von Qi und Blut im Leitbahnsystem, die Folge kann ein Verschluß der Hirngefäße sein.
d) Ein erschöpftes Abwehrsystem (Zheng Qi) wird von exogenem Wind überwältigt, der ins Leitbahnsystem eindringt und einen Windschlag provozieren kann.
Je eher der Windschlag und seine Folgeerscheinungen behandelt werden, um so größer sind die Heilungsaussichten. Wenn die Therapie innerhalb der ersten drei Monate einsetzt (am besten schon nach einigen Tagen!), können gute Ergebnisse erwartet werden. Nach sechs Monaten sind die Resultate eher bescheiden, nach über einem Jahr kaum noch zu erwarten.
Begleitende Maßnahmen wie Krankengymnastik und Ernährungsum-stellung fördern den Heilungsprozeß.
Vorbeugende Maßnahmen:
Ein aufflammendes Leber-yang ist schon im Vorstadium eines Wind-schlags deutlich zu erkennen; Symptome wie Schwindel, Benommenheit, Reizbarkeit, Herzklopfen, erschwerte Sprache, Taubheit der Finger- und Zehenspitzen weisen schon früh auf ein geschwächtes Leber-Yin und ein unkontrolliertes Leber-Yang hin. Diätberatung und die Veränderung von krankmachenden Lebensgewohnheitengehören besonders bei Risikopatienten zur vorbeugenden Behandlung. Häufige Moxibustion auf den Punkten Ma 36 und Gbl 38 sollen einen Schlaganfall verhindern können.
Die klassischen Texte geben noch eine organspezifische Differenzierung der Wind-Schlag-Erkrankungen (Zhong Feng) an:
plötzliches Umfallen, Völlegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit,
Bewegungsstörungen, trockene Kehle, Sehverlust, trauriges Gemüt, übermäßiges Schwitzen, blasses Gesicht; es ist ratsam, eilig den Punkt Fei Shu (Bl 13) 100 Kegel zu moxen.
Plötzliches Zusammenkrümmen mit Völlegefühl im Bauch, Erbrechen von salziger Flüssigkeit, geht wie ein Betrunkener, der ganze Körper ist gelb; es ist ratsam, eilig den Punkt Pi Shu (Mi 20) 100 Kegel zu moxen.
Man fällt plötzlich um, kann nicht aufrecht stehen, Erbrechen direkt nach dem Essen, kann nur auf dem Rücken liegen, starkes Schwitzen, rote Lippen; es ist ratsam, eilig 100 Moxakegel auf den Punkt Xin Shu (Bl 15) zu setzen.
Ein plötzlicher Schmerz in der Lendengegend läßt einen sich zusammenkrümmen, betrachte die rechte und linke Seite des Oberkörpers, man findet dort eine gelbliche Verfärbung in der Form eines runden Kuchens; brenne dann eilig 100 Moxakegel auf dem Shen Shu (Bl 23) ab. Wenn die Zähne sich gelb färben und das Gesicht einen erdenen Farbton bekommt, ist die Erkrankung nicht mehr zu heilen!
Der Patient kann nur gekrümmt sitzen, er ist steif und kann den Kopf nicht senken, er wackelt rhythmisch mit dem Kopf, Zucken der Augenlider mit leicht grünlicher Verfärbung, die Lippen sind etwas bläulich und das Gesicht kann gelblich sein. Brenne dann eilig 100 Moxakegel auf dem Punkt Gan Shu (Bl 18) ab!
Die Pathogenese dieser organbezogenen Wind-Schlag-Erkrankungen wird allgemein mit einem starken Windangriff beschrieben, der die zugehörigen Leitbahnen befällt und die Qi- und Blutzirkulation blockiert. Als Folge wird das Zang-Organ schlagartig von der Versorgung abgeschnitten und produziert lebensbedrohliche Symptome. Als weitere Therapiemöglichkeiten werden vorgeschlagen, den Wind aus der Leitbahn zu entfernen und das Zang-Organ zu stützen. Dies kann z.B. über die Yuan-Punkte passieren und über die Holz-Punkte, die ja mit dem Wind korrespondieren.
Das Zhu Bing Yuan Hou Lun gibt für jedes Syndrom eine Situation an, in welcher der Patient nicht mehr zu retten ist und sterben muß. Diese erkennt man an einer Verfärbung des Gesichts, die dem Element im zerstörerischen Cheng-Zyklus entspricht.
Die Windpunkte:
Besonders die Yang-Leitbahnen haben viele Akupunkturpunkte mit der Funktion, den Wind zu zerstreuen, besonders den Wind, der die Außenseite befallen hat. Einige Punkte sind jedoch so deutlich auf den Wind bezogen, daß man sie als Feng (Wind)- Punkte bezeichnen könnte. Durch Ihre Namen weisen auf sie auf diese besondere Beziehung hin.
Dieser Punkt zerstreut Wind und Kälte (hier Moxa!) besonders im Schulter-Armbereich. Er wird genadelt bei allen Affektionen in diesem Bereich (z.B. frozen shoulder). Sehr gut ist an dieser Stelle auch die Scraping-Therapie Gua Sha
Es ist besonders indiziert bei Winderkrankungen mit Fieber, also bei allen Infektionskrankheiten. Bl 12 reguliert und zerstreut das Lunge-Qi, vertreibt Wind und Kälte, Wind-Hitze, verwandelt Schleim und fördert das Schwitzen. Die Indikationsbreite dieses Punktes geht vom banalen Schnupfen bis zur Lungenentzündung u = Fieberpalast und deutet auf die fiebersenkende Wirkung dieses Punktes hin.
Dieser Punkt liegt direkt hinter dem Ohr, welches wie ein Schirm den Hinterkopf vor Wind schützt. SJ 17 wird genadelt, um pathogenen Wind besonders im Bereich des Gesichts und der Sinnesorgane zu vertreiben. Der Punkt klärt die Sinnesöffnungen, harmonisiert das Gehör (z.B. Hörsturz als Windangriff!) und zerstreut Wind-Kälte. Yi Feng ist wirksam bei allen Problemen der Ohren und der Gehörfunktion, bei denen Wind im Spiel ist; er heilt Krämpfe, Tics, Kiefersperre, Facialparese, Neuralgien und andere plötzlich auftretenden Anomalien im Gesichtsbereich.
Der Name des Punktes bezieht sich auf seine Lokalisation in einer Mulde, zwischen dem M. Traperius und dem M. Sternocleidomatoideus. Gbl 20 ist sicherlich der am häufigsten benutzte Punkt, um Wind zu vertreiben, er wird oft auch symptomatisch bei grippalen Infekten und Schnupfen verwendet.
Feng Chi ist ein Reunions-Punkt der Leitbahnen von Gallenblase, San Jiao und Yang Wei Mai und hat ein breites Wirkungsspektrum. Neben seiner Wirkung auf die Oberfläche hat er auch Wirkung auf das Innere.
Dieser Punkt besänftigt aufsteigendes Leber-Yang, löscht Leber-Wind und klärt Leber-Feuer und Hitze.
Feng Chi wirkt auf alle Sinnesorgane und fördert besonders das Sehvermögen. Der Punkt ist demnach ein Hauptreizpunkt bei innerem Wind und Windschlag mit all seinen Folgen.
Der Wind versammelt sich an diesem Punkt wie Menschen auf einem Marktplatz. Gbl 31 vertreibt den pathogenen Wind besonders aus den unteren Extremitäten, er entspannt Muskeln und Sehnen und leitet Nässe ab. Feng Shi ist ein wichtiger Punkt bei haftendem Bi (Wind-Nässe-"Rheuma") im Knie- und Oberschenkelbereich.
Hier hat der Mensch sein zentrales Büro, um den Wind zu verwalten. Dieser Punkt behandelt sowohl äußeren wie inneren Wind, ganz besonders aber den Wind, der das Gehirn befällt. Das Gehirn als Meer des Markes, wird von seinem Einflußpunkt Du 20 gefüllt und reanimiert bei Bewußtlosigkeit und Koma (Moxa!). Du 16 ist der Ausflußpunkt des Meer des Markes und glättet die stürmische See, indem er den Wind zerstreut, den Geist beruhigt und Hitze ausleitet. Diese Funktionen weisen auf seine Wirkung bei mentalen und emotionalen Störungen hin, die heftig verlaufen, z.B. Delirien, suizidales Verhalten, Phobien, Manien, Angst- und Schreckbereitschaft.
Andere Namen dieses Punktes sind: Gui Xue = Dämonenhöhle, Gui Zhen = Dämonenlager, Xing Xing = klarer Kopf und zeigen, wie eng in der chinesischen Medizin Dämonen und Wind gleichermaßen für bestimmte Krankheiten verantwortlich gemacht wurden. Die Dämonenmedizin ist noch heute in China ein Bestandteil der Volksmedizin.
Außer diesen sechs dominaten Wind-Punkten haben viele Punkte eine regionale Wirkung auf Wind-Affektionen. Auch die Holz-Punkte der Yang-Leitbahnen befreien die Oberfläche von pathogenem Wind.
Techniken, um den Wind zu vertreiben:
Dafür gibt es in der Akupunktur verschiedene Behandlungsmethoden:
Qu Feng = den Wind zerstreuen
sie behandelt äußere pathogene Winde (das Übel vertreiben) und erfordert eine sedierende Nadeltechnik
Xi Feng = den Wind auslöschen
sie behandelt inneren pathogenen Wind und erfordert eine tonisierende Nadeltechnik, welche "Wasser zum Löschen" bereitstellt.
Ist der schädigende Wind in den oberflächlichen Strukturen (Haut, Muskeln, Sehnen), dann ist die Ebene des Wei Qi betroffen. Die Aufgabe des Wei Qi ist es, die Maserungen der Haut Cou Li durchgängig zu halten, das Schwitzen zu regulieren und die Muskeln und Sehnen zu erwärmen. Bei akutem Windbefall und starker Abwehrkraft des Patienten wird das Wei Qi die Hautporen abrupt schließen und den Wind "einsperren". Die Nadelung muß hier oberflächlich erfolgen, subcutan, ohne de Qi, mit langer Verweildauer der Nadel, um die Hautporen wieder durchgängiger zu machen und dem Wind einen Weg nach außen zu öffnen. Gleichzeitig muß die Diaphorese angeregt werden (z.B. über Ni 7 und Di 4), um die pathogene Energie durch Schwitzen auszutreiben.
Bei schwacher Abwehrkraft ist das Wei Qi nicht in der Lage, die Hautporen bei einem Windangriff zu schließen. Die pathogene Energie geht in die Muskeln, Sehnen und Gelenke. Hier wird etwas tiefer genadelt und wir müssen das Wei Qi stärken, um den Feind wirksam bekämpfen zu können.
Es können auch schmerzhafte Punkte gemoxt werden, um das Yang anzuregen.
Bei innerem Wind ist das Ying Qi < betroffen und auch die Ebene der Zang Fu. Notwendigerweise nadeln wir hier tiefer, mit de Qi, um das Yin aufzufüllen und Wasser zum Löschen heranzuziehen. Geeignete Punkte sind u.a. Ni 10, Le 8 Mi 6 Gbl 25, Le 14, Le 13.
Alle Wasserpunkte fungieren bei innerem Wind wie eine Feuerwehr.
Feng Shui Harmonisierung von Himmel und Erde:
Feng Shui , eigentlich Wind und Wasser, ist das uralte System der chinesischen Geomantik, die es dem Menschen ermöglicht, im Einklang mit himmlischen und irdischen Energien zu leben. Sie passt den Menschen in die natürliche Ordnung der Natur ein, ohne sie zu zerstören. Feng Shui dient dazu, günstige Plätze für Häuser, Gräber, Tempel und Städte zu bestimmen durch Analyse der vorhandenen natürlichen Strukturen. Flüsse, Bäume, Hügel, Täler und Felder müssen in den Bauplan integriert werden. Der ausgewählte günstige Platz ist die Grundlage für das Wohlbefinden des einzelnen, der Familie oder sogar der Gemeinde.
Die Aufgabe des Feng Shui-Meisters ist es, negative Schwingungen und feindliche Energien Xie Qi festzustellen und gegebenenfalls mittels bestimmter Techniken und Hilfsmittel auszugleichen.
Wie ernst das Feng Shui bei den Chinesen genommen wird, zeigt folgendes Beispiel: Bruce Lee, der berühmte Kung Fu-Kämpfer, soll das Opfer eines schlechten Feng Shui geworden sein. Man sagt, er soll die Anweisungen eines Feng Shui-Meisters ignoriert und einen Ba Gua-Spiegel der von diesem installiert worden war, wieder entfernt haben. Bruce Lee starb plötzlich in voller Gesundheit mit 32 Jahren.
Parallelen gibt es dazu auch bei uns bei den Rutengängern, die in Häusern oder auf Grundstücken nach Wasseradern und anderen Störfeldern suchen. Ein Beispiel für ein gutes Feng Shui ist die 2000 Jahre alte chinesische Mauer. Sie ist so nahtlos in die natürliche Umgebung eingepaßt, daß sie ein Teil von ihr zu sein scheint. Sie ist das einzige von Menschen erschaffene Bauwerk, das vom Mond her zu erkennen ist!
Eine Prämisse des chinesischen Denkens ist, daß der Mensch zwischen Himmel und Erde steht. Alles, was auf der Erde stattfindet, ist nur ein materielles Spiegelbild vorausgegangener Prozesse im Himmel. Die Bewegungen der Himmelskörper haben ihr Pendant in den unterirdischen Strömungen der Erde, die Erde ist ein lebendiger Organismus, dessen Qi ebenso ungehindert fließen sollte wie das Qi im menschlichen Leitbahnsystem.
Der Mensch empfängt die Energien des Kosmos, wirkt aber auch aktiv auf diesen zurück. Jeder Eingriff in die Natur muß dies berücksichtigen
.Leider fehlt den Menschen der westlichen Zivilisation die Einsicht in solche wechselseitigen Zusammenhänge. Wir bohren wahllos Löcher in die Mutter Erde, beuten ihre Rohstoffe und Erze aus, holzen die Wälder ab und bauen Trabantenstädte, in denen möglichst viele Menschen wohnen sollen. Unmengen von Müll verunreinigen die Oberfläche der Erde. Die Industrie-abgase verpesten unsere Atmosphäre, Treibgase zerstören die Ozonschicht und Satelliten dringen in Bereiche vor, die aus chinesischer Sicht unserem himmlischen Vater allein vorbehalten sein sollten.
Wer seine Mutter derart ausbeutet und seinen Vater vergiftet, der wird zwangsläufig bestraft werden! Wir sind die Kinder von Himmel und Erde; alles, was wir unseren Eltern antun, wirkt auf uns zurück. Kein Wunder, daß das Klima sich verschoben hat, die Jahreszeiten sich verwischen und Sturmfluten überhand nehmen.
Die Essenz der Erde ist geschwächt, das Holz der Erde ist erschöpft, die Folge ist ein auf loderndes Leber-Yang von Mutter Erde, das zu Wind wird und stürmisch über ihre Oberfläche bläst. Holz-Yang überwindet Erde-Yin und bewirkt, daß die Assimilationsbereitschaft und Integrationsfähigkeit der Erde gestört ist. Überflutungen, Erdbeben und Vulkanausbrüche häufen sich, die Erde hat Schweißausbrüche und rülpst, weil sie die ständigen Fremdeinflüsse nicht mehr verdauen kann. Hoffen wir, daß noch kein planetarisches Magengeschwür entstanden ist! Wünschen wir uns, das noch kein Krebs die vitalen Zentren unserer Mutter Erde zum Erliegen bringt
Wie können wir die Erde heilen? Wie unseren Vater besänftigen? Gibt es auf unserem Planeten ebenfalls Energiezentren, Qi-Höhlen und Wundergefäße, über die eine Homöostase von Himmel und Erde erreicht werden kann? Ist es an der Zeit, den ganz großen Stich zu wagen?
Es scheint, als ab es für die globalen Probleme der Menschheit nur solche Lösungen gibt, die die Einheit von Himmel-Erde-Mensch mit einbeziehen. Wir Menschen müssen wieder sensibler werden für die Schwingungen in der Natur und müssen wieder lernen, uns demütig anzupassen, anstatt sie beherrschen zu wollen. Somit wird die über 4000 Jahre alte chinesische Geomantik Feng Shui wieder hochaktuell.
Feng Shui ist die Kunst, die geheimnisvollen Energien von Himmel und Erde, welche die natürliche Umgebung beleben, wahrzunehmen und derart darauf einzuwirken, daß die lebendige Erde sich mit all ihren Bewohnern versöhnt und harmonisch mit ihnen existiert. Wir sollten nicht warten, bis ein planetarischer "Windschlag" das Leben auf unserer Erde vernichtet!
Die chinesische Philosophie lehrt von frühesten Zeiten, daß der Wind der der Atem des Universums ist, ja sogar ein Ausdruck des himmlischer Dao selbst ist.
Der Wind als die Ursache vieler Erkrankungen ist ein Konzept in der chinesischen Medizin, das in über 2500 Jahren ausgereift ist. Nicht nur der Wind, dem der Mensch zu Unzeiten ausgesetzt ist, macht krank, sondern alle Erscheinungen, die windähnliche Bewegungstendenzen haben, werden dem Wind zugeordnet.
Der Wind als klimatischer Faktor beeinflußt mit seiner Energie das Verhalten der Menschen ebenso wie menschliches Verhalten das Klima formt. Die drohende Klimakatastrophe mit all ihren Vorboten ist nichts anderes als ein Ausdruck der Mißachtung des himmlischen Dao und eine Widerspiegelung menschlichen Fehlverhaltens. Die Therapie darf nicht in einer symptomatischen Behandlung des kleinen Kosmos Mensch stehenbleiben.
Um den Makrokosmos wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen wir lernen, Wu Wei zu praktizieren, d.h. Nichts zu tun, was den natürlichen Abläufe entgegengesetzt ist.
So finden wir wieder bei Lao Zi das richtige Verhalten im Einklang mit der Natur:
Über das Nicht-Tun:
"
Kann irgendeiner die Welt nehmen und mit ihr tun, was er will?Ich glaube nicht, daß er erfolgreich sein kann.
Die Welt ist ein Werkzeug der Geister Shen, man soll nicht mit ihr handeln.
Wer auf sie einwirkt, zerstört sie, wer nach ihr greift, verliert sie.
Tatsächlich gibt es für alle Menschen auf dieser Welt eine Zeit
des Führens und eine Zeit des Folgens, eine Zeit
des langsamen und eine Zeit des schnellen Agierens,
ebenso wie es eine Zeit des Starken und des Gewinners
als auch eine Zeit der Übernahme und des Verlustes gibt.
Deshalb der Weise: er befreit sich von allen Extremen,
Exzessen, Übertriebenen.
" (Kapitel 29)
gekürzt aus dem Buch Lorenzen/Noll: die Wandlungsphase Holz, 2. Auflage, München 2002, entnommen.