Ernährung in der chinesischen Medizin – Udo Lorenzen
Der Mensch ist, was er ißt , heißt eine Spruchweisheit. Das gilt besonders in der chinesischen Medizin, in der Nahrungsmittel hinsichtlich ihrer energetischen Qualität therapeutisch eingesetzt werden. Was die Ernährung anbelangt (und nicht nur dort!), betrachtet die westliche Medizin den Gegenstand ihrer Untersuchung analytisch und sucht die Ursache im Detail. Nahrung wird hier in ihrer Quantität gewogen, gemessen und abgezählt. Die stofflichen Bestandteile ( Fette, Kohlehydrate , Proteine, Vitamine und Spurenelemente) machen ihren Wert aus, der kalorische Wert dieser Grundsubstanzen bestimmt ihren Nährwert.
Anders die chinesische Medizin. Ihr Denken ist geprägt von einem ganzheitlichen MenschenbiId. Der Mensch steht zwischen Himmel und Erde und unterliegt denselben Gesetzmäßigkeiten, die auch in der Natur herrschen. Nahrung wird hier klassifiziert hinsichtlich ihres Temperaturverhaltens oder Thermik, ihres Geschmacks, ihrer Wirkrichtung im Körper sowie ihrer Zuordnung zu den 5 Wandlungsphasen und dem Leitbahnsystem. Ziel der chinesischen Diätetik ist ein harmonisches Gleichgewicht von Yin und Yang in der Ernährung. Ernährungstherapie will den Menschen zu einer Lebensweise zurückführen, die ihn in seiner Mitte verankert und seine Schwingungsfähigkeit mit den natürlichen Rhythmen wiederherstelIt.
Diät kommt vom griechischen diaita = Lebensweise bzw. -pflege. Die Ernährung in der chinesischen Medizin bedeutet nicht nur Krankenkost , sondern wird vielmehr zu einem Weg, das Leben zu pflegen. Den richtigen Weg (das Dao) zu finden , sollte immer unser höchstes Ziel im Umgang mit uns und dem Patienten sein!
Der Wert einer vorbeugenden Behandlung ist schon im Neijing (300 v. Chr.) beschrieben: "den Gesetzen von Yin und Yang zu folgen bedeutet Gesundheit, sich ihnen zu widersetzen. bedeutet Krankheit. Wer diesen Gesetzen folgt, hat Ordnung in seinem Leben, wer sie mißachtet, hat nur Chaos. Deshalb behandeln die Weisen nicht die (schon) Kranken, sondern diejenigen, die noch nicht krank sind. Sie versuchen nicht, das Chaos zu ordnen, sondern sie intervenieren, bevor ein Chaos entstehen kann. Wenn eine Behandlung einsetzt, nachdem die Krankheit schon manifest geworden ist, das ist genauso, als ob man einen Brunnen gräbt, wenn man durstig ist, oder Waffen schmiedet, wenn der Krieg schon ausgebrochen ist, ist es dann nicht bereits zu spät?" ( Su Wen, Kap. 2). Prävention ist die beste Therapie!
1. Historisches
:Die Geschichte der chinesischen Diätetik läßt sich bis in die Zhou-Dynastie (11.-7. Jahrhundert vor Chr.) zurückverfolgen. In den Annalen über die Riten der Zhou sind 4 Gruppen von Heilkundigen beschrieben, die die medizinische Versorgung in dieser Zeit sicherstellten. Es gab:
a) die Shi Yi = Experten in Ernährungsfragen ("Diätärzte")
b) die Ji Yi = Behandler bei inneren Erkrankungen("Internisten").
c) die Yang Yi =Therapeuten für äußerliche Erkrankungen und Verletzungen
('Wundärzte" und "Chiropraktiker).
d) die Shou Yi = die Veterinärärzte, welche die kranken Tiere versorgten.
In dieser Gruppierung waren die Diätärzte bei weitem am angesehensten. Ihre Aufgabe war es ausschließlich, die Ernährung des jeweiligen Herrschers und seiner Familie zu überwachen und sie damit gesund zu erhalten. Sie waren verantwortlich für eine "harmonische Mischung der 6 Gemüsesorten, 6 Getränke, 6 Fleischgerichte, 100 Delikatessen, 100 Gewürze und der 8 Kostbarkeiten"(aus den Annalen der Zhou).
Im Neijing handeln viele Kapitel über die Wirkung der 5 Geschmacksrichtungen
Wu Wei (s. o). Es wird auf die Wichtigkeit einer gesunden Mischung der 5 Geschmäcker, der 5 Früchte, 5 Getreide, 5 Gemüse und der 5 Fleischsorten hingewiesen und darauf, daß eine zu einseitige Ernährung vielfältige Störungen verursachen kann. Als Wegweiser dient:
" Wenn der Körper schwach ist, sollte der Therapeut Speisen nehmen, um den Mangel aufzufüllen."(Su Wen, Kap.22)
In der Tang-Dynastie (618-907 nach Chr.) gab es den berühmten daoistischen Heiler Sun Si Miao, der die Wichtigkeit einer Diättherapie hervorhob. Sun war der Meinung, das menschliche Leben sei wertvoller als 1000 Goldstücke, deshalb legte er besonderen Wert auf präventive Maßnahmen. Von ihm stammt der Satz:
"Das richtige Essen kann krankmachende Faktoren zurückschlagen, die Zang-Fu harmonisieren, den Geist anregen und Qi und Blut stärken!" und:
"Wenn man Krankheiten behandelt, sollte zuerst eine Ernährungstherapie erfolgen.
Erst wenn dies nichts hilft, muß man es mit Drogen versuchen". schließlich:
"Ohne das Wissen um eine richtige Ernährung ist es kaum möglich, sich einer guten Gesundheit zu erfreuen."
In seinem bekanntesten Buch, "Verschreibungen, die kostbarer als 1000 Goldstücke sind" (Qian Jin Yao Fang), hat Sun zwei Kapitel der Ernährung gewidmet (Kap. 26 und 27)
In der Song-Dynastie (960-1280 nach Chr. ) gab es Li Gao (sein Familienname war Li Dong Yuan), der sich besonders mit der Ernährung beschäftigte. Er gründete eine Schule zur Stärkung der Mitte, in der er die besondere Bedeutung der Wandlungsphase Erde für Krankheit und Gesundheit hervorhob. In seiner
Abhandlung über Milz und Magen (Pi Wei Lun) schreibt Li Gao:
"Ein sorgfältiges Studium (der Klassiker) zeigt, daß das Ursprungs(Yuan)- Qi immer ausreichend ist , solange es ernährt und angereichert wird vom Milz- und Magen-Qi.
Wenn das Magen-Qi schwach oder die Nahrungsaufnahme übermäßig ist, dann wird nicht nur das Qi von Milz und Magen geschädigt, sondern auch das Yuan-Qi verkümmert. Viele Krankheiten können nun entstehen."
In der Ming-Dynastie (1368-1644 nach Chr.) gab es schließlich Zhang Jie Bin (Autor des Lei Jing), der ebenfalls einen Schwerpunkt auf die Diät legte. Von ihm stammt das Zitat:
" Wer sich auf die Behandlung der Mitte versteht, vermag alle Funktionskreise
einzustimmen ". Seitdem wird die Wandlungsphase Erde als die Wurzel der erworbenen Konstitution bezeichnet.
2. Der Stellenwert der Diättherapie in der chinesischen Medizin:
Obgleich die Ernährungstherapie einige Glanzlichter in der Geschichte der chinesischen Medizin hatte, stand im Vordergrund doch eher die Drogenheilkunde. Diät und Arzneimitteltherapie bilden auch heute noch die beiden Pfeiler der inneren Therapie( Nadel und Moxabehandlung die der äußeren!).
Die zugrundeliegende Theorie für die Einordnung der Speisen und Getränke stammt aus dem reichen Erfahrungsschatz chinesischer Arzneimittel. In der Tat ist der
Unterschied zwischen Diät und der Therapie mit Heilkräutern nur ein geringer. Die Menge macht es, ob eine Droge Arzneimittel oder " nur " Essen ist. Essen als Therapie ist praktisch und preiswert. Es kann über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, ohne das es zu Nebenwirkungen kommt, eine chinesische Diagnose vorausgesetzt. Als begleitende Maßnahme kann eine Diät eine energetische Behandlung, z.B. mit Akupunktur, wesentlich beschleunigen, oft sogar erst erfolgreich werden lassen. Schließlich ist Essen als Therapie sehr viel angenehmer und wohlschmeckender für den Patienten als die meisten Arzneimittel.
Eine ausgewogene Ernährung stabilisiert die Mitte und schafft eine innere
Harmonie, die im Einklang mit den sich verändernden Einflüssen der Umwelt steht.
An dieser Stelle ist ein kritischer Hinweis auf die makrobiotische Ernährungslehre angebracht. Die Makrobiotik ist eine Ernährungsweise aus Japan und suggeriert ebenfalls östliche Weisheit. Auch die Makrobiotik will Gesundheit von Körper, Geist und Seele herstellen. Leider operiert dieses System mit einem Verständnis von Yin und Yang, das den chinesischen Vorstellungen fremd, ja sogar konträr ist .
In der makrobiotischen Ernährungslehre entspricht dem Yin eine zentrifugale Bewegungsrichtung, also eine Ausdehnung nach außen hin, dem Yang hingegen eine zentripedale Tendenz, d.h. eine Konzentration nach innen. Hier entwickelt Yin sich schnell, steigt nach oben und entspricht dem scharfen Geschmack, Yang hingegen ist langsam, sinkt nach unten und entspricht dem salzigen (!) Geschmack.
Nun sind Yin und Yang jedoch Normkonventionen, die seit über 2000 Jahren von den Chinesen dazu verwendet werden, die Wirklichkeit zu beschreiben und zu ordnen. Es handelt sich um Embleme, die nicht in Frage, geschweige denn auf den Kopf gestellt werden sollten, wenn man chinesische Medizin wirksam und vor allen Dingen gefahrlos für den Patienten anwenden will!
Yin zieht sich zusammen, Yang dehnt sich aus, Yin entspricht dem Inneren, Yang dem Äußeren, Yin sinkt nach unten, Yang steigt nach oben, salzig ist Yin, der scharfe Geschmack ist Yang usw., usf. Dies sind die traditionellen Übereinkünfte über Yin und Yang!
Wenn die Makrobiotik z.B. empfiehlt, Salz sei Yang und könne reichlich verwendet werden , so warnt der chinesische Medizinklassiker Neijing vor übermäßigem Salzgenuß:
"Überwiegt der salzige Geschmack, werden die Knochen und die großen Gelenke müde, die Muskeln und das Fleisch magern ab und der Geist wird trübe. Die Pulse werden träge und schließlich wird das Blut geschädigt." (Su Wen, Kap. 3)"
Die Entscheidung, wer nun recht hat, sollten wir nicht dem Patienten überlassen!
3. Energetisches Verhalten der Nahrung:
3. 1. Die Thermik der Nahrung (Si Qi):
Das erste Einteilungsprinzip sind die vier Temperaturausstrahlungen heiß, warm, kühl und kalt. Dies bezieht sich auf die Temperatur, die ein Nahrungsmittel im Organismus erzeugt. Heiße Speisen erhitzen den Körper, kalte Speisen kühlen ihn ab. Ganz allgemein brauchen also eher fröstlige Patienten warme und heiße Speisen, Patienten mit viel Körperwärme kühle und kalten Speisen, um ins Gleichgewicht zu kommen. Etwas spezieller wirkt:
a) Heißes: Hitze erzeugend, die Zang-Fu (-Organe) erwärmend, dabei insbesondere den mittleren Erwärmer;
b) Warmes: Kälte zerstreuend, Wind vertreibend und das Yang-Qi aufbauend;
c) Kühles: Hitze vertreibend, Feuer ausleitend;
d) Kaltes: Kälte erzeugend, innere Hitze kühlend, entgiftend und beruhigend.
Dieses Einteilungsprinzip entspricht den 8 Leitkriterien (Ba Gang), insbesondere dem Paar Hitze - Kälte (Re / Han).
Ist das Yang in Fülle, entsteht Hitze, ist das Yin in Fülle, entsteht Kälte; ist das Yang in Leere, entsteht Kälte, ist das Yin in Leere, entsteht Hitze.
Kälte-Erkrankungen zeigen Symptome wie Abneigung / Verschlimmerung durch Kälte, Ruhebedürfnis, weiße Gesichtsfarbe, Kälte der Extremitäten, Frieren. Bei Yang-Leere bessert eine Wolldecke, bei Yin - Fülle nicht! Durstlosigkeit oder Verlangen nach warmen Getränken, dünnflüssige, klare, reichhaltige Ausscheidungen, die Zunge ist feucht und weißlich belegt, der Puls ist langsam (Chi Mai), bei innerer Kälte auch gespannt (Jin Mai). Für die Ernährung kommen hier natürlich warme oder heiße Speisen in Betracht unter Vermeidung zu kühler/kalter Nahrungsmittel.
Hitze- Erkrankungen weisen Symptome wie Unruhe, rötliche Gesichtsfarbe, trockener Mund und Lippen, auf. Der Patient ist geschwätzig, hat Verlangen nach kalten Getränken, die Ausscheidung ist reduziert, der Urin ist stark konzentriert und dunkel. Häufig besteht eine Stuhlverstopfung. Die Zunge ist trocken mit gelblichem Belag, der Puls ist schnell (Shuo Mai), oberflächlich bei Yin-Leere (Fu Mai) und/oder überflutend (Hong Mai) bei üppiger Hitze. Kühle und kalte Speisen wirken hier ausgleichend.
Wichtig ist die Differenzierung nach Leere und Fülle, falscher und echter Hitze/Kälte sowie das Auftreten des pathogenen Faktors in einem der 3 Erwärmer. Bei einer Yin-Leere muß das Yin ergänzt werden, bei einer Yang-Fülle muß das Yang zerstreut werden. Beide Krankheitsbilder haben eine Hitze-Symptomatik, aber unterschiedliche Ursachen und bedürfen einer differenzierten Behandlung.
Das alte Hausrezept, bei Unterkühlung und beginnendem grippalen Infekt einen steifen Grog zu trinken, hat also durchaus seine Berechtigung . Alkohol ist ein heißes Nahrungsmittel und hilft, die Poren zu öffnen, Schweiß an die Oberfläche zu treiben und so Wind und Kälte auszuleiten.
Rohkostfanatiker weisen oft ein Yang-Defizit auf, da sie in ihrer Ernährung kühle und kalte Speisen bevorzugen. Auch eine Überbetonung von Milchprodukten und Obst schwächt das Yang-Qi und produziert Yin-Erkrankungen.
3. 2. Die 5 Geschmacksrichtungen in der Nahrung (Wu Wei):
Dies ist das älteste Einteilungsprinzip und wird schon detailliert im Neijing beschrieben. (s. o.) Die 5 Geschmäcker sind sauer, bitter, süß, scharf und salzig.
Der chinesische Terminus Wei heißt eigentlich Geschmack, Duft, Wohlgeruch, Aroma. Er umfaßt also auch die ätherischen Anteile der Nahrungsmittel, die über die Nase wirken. Das Nanjing (Klassiker der schwierigen Fragen, ca. 100 vor Chr.) setzt das Herz mit den Gerüchen in Verbindung und die Milz mit den Geschmäckern (vergl. Nanjing, Kap. 40, 49). Demnach müßte die Therapie mit Duftstoffen
(Aromatherapie) die feinstofflichen, vergeistigten Anteile im Menschen stimulieren, beherbergt das Herz doch Shen, die allumfassende Seele, unser höchstes Yang-Prinzip.
Die 5 Geschmacksenergien werden von der Milz an die entsprechenden Zang-Organe verteilt und dort als Jing (Essenz) gespeichert.
Die Wu Wei haben also jeder für sich einen Yin/Yang-Anteil (Geschmack/Aroma) , aber auch untereinander verschiedene Polaritäten: süß und scharf = Yang,
sauer, bitter und salzig = Yin.
a) sauer: geht zum Holz ( Leber / Gallenblase ) und wirkt astringierend, sammeInd, stopfend und einschnürend. Saure Speisen helfen bei Diarrhöen, übermäßigem Schwitzen und Fließschnupfen. Mäßig saure Ernährung stärkt das Leber-Yin (die saure Gurke nach einer durchzechten Nacht!), zuviel Saures schädigt die Muskeln und führt zu Sehnenkontraktionen. Es wird zuviel Speichel produziert, weIcher die Energie der Milz unterdrückt. (Die Milz liebt das Trockene und verabscheut die Feuchtigkeit.) Wenn das Herz an Trägheit leidet, kann der saure Geschmack es erregen; Saures geht zu den Sehnen. Vermeide saure Speisen bei Sehnenerkrankungen, Arthritiden und Weichteilrheumatismus.
b) bitter: geht zum Feuer (Herz / Dünndarm) und wirkt austrocknend, verhärtend und nach unten ausleitend . Das Bittere kühlt Hitze und trocknet Feuchtigkeit (z.B. Ödeme), kann aber, wenn purgierend eingesetzt, Durchfall erzeugen (z.B. Natr.-sulf.
Glaubersalz) . Mäßig bittere Ernährung fördert das Herz-Yin, z.B. 1 Glas Bier als Beruhigungsmittel. Zuviel Bitteres jedoch schädigt den Geist, erzeugt Benommenheit, trocknet die Haut aus und führt zu Haarausfall. Der bittere Geschmack geht zu den Knochen. Er ist zu meiden bei allen Knochenerkrankungen und dort, wo die Knochen brüchig und dünn werden.
Leidet die Milz an übermäßiger Feuchtigkeit, können bittere Speisen sie austrocknen. Eine gestörte Umwandlungs- und Transportfunktion der Milz hinsichtlich
Feuchtigkeit zeigt sich in der Pulsdiagnose in einem "schlüpfrigen" Puls (Hua Mai), der Nässe- und Schleimansammlungen anzeigt.
c) süß: geht zur Erde (Milz / Magen) und wirkt erwärmend, harmonisierend, kräftigend und entspannend. Das Süße mildert akute Schwäche und harmonisiert in den Speisen die Wirkung aller Zutaten. Mäßig süße Ernährung tonisiert das Milz-Qi und
fördert die Verdauung, zuviel Süßes schwächt das Herz-Qi, verursacht Atembeschwerden und Völlegefühl in der Brust.
Zuviel Süßes schädigt die Nieren und verursacht Haarausfall. Der süße Geschmack geht zum Fleisch. Er ist zu meiden bei Übergewicht, Adipositas und Erkrankungen des Bindegewebes. Wenn die Leber zu sehr gespannt ist, wird sie mit süßen Spei sen entspannt (das Stück Schokolade bei Ärger und Frust!).
Da der süße Geschmack auch Feuchtigkeit " bildet ",sind süße Speisen bei allen Nässeproblemen zu meiden.
d) scharf: geht zum Metall (Lunge / Dickdarm) und wirkt schweißtreibend, die Oberfläche zerstreuend und die Energiezirkulation belebend. Das Scharfe öffnet die Oberfläche bei allen akuten fieberhaften Erkrankungen und vertreibt exogene
Krankheitsfaktoren. Mäßig scharfe Ernährung tonisiert das Lungen-Qi und fördert die Atmung, zuviel Scharfes läßt die Muskeln und den Puls erschlaffen und verwirrt den Ge ist. Auch die Haut und Körperbehaarung nimmt Schaden.
Der scharfe Geschmack geht besonders zum Qi. Er ist zu vermeiden , wenn die Lungen zu trocken sind (z. B. bei einer Lungen-Yin-Leere, bei starken Rauchern, Tbc), oder wenn das Qi sehr schwach ist, da Scharfes zerstreuend wirkt. Wenn die Nieren an Trockenheit leiden , kann man sie mit scharfen Speisen befeuchten. Scharfes öffnet die Hautporen, bewegt die Säfte und läßt das Qi zirkulieren. Ni7, der Metallpunkt der Nieren-Leitbahn, heißt Fu Liu = wiederkehrende Strömung. Dieser Punkt wirkt ähnlich wie der scharfe Geschmack anregend auf die Flüssigkeitszirkulation.
e) salzig: geht zum Wasser (Niere / Blase) und wirkt erweichend, Stauungen auflösend und absenkend. Das Salzige ist somit nützlich bei Verhärtungen von Muskeln und Drüsen, bei Verstopfung und Miktionsstörungen . Mäßig salzige Ernährung fördert die Funktion der Nieren, Harn zu bilden und auszuscheiden. Zuviel Salziges macht den Puls träge, die Knochen werden geschwächt, das Fleisch und die Muskeln magern ab. Auch die Herzfunktion kann unterdrückt werden und der Patient leidet an Schwermut. Seine geistigen Fähigkeiten nehmen ab.
Der salzige Geschmack geht zum Blut. Er ist zu meiden bei allen Erkrankungen des Blutes und des Gefäßsystems. Da Salz eine kalte Energie hat, ist es bei Yang-Leere der Milz und der Nieren zu meiden, da sonst Ödeme entstehen.
Allgemein giIt für die 5 Geschmacksrichtungen , daß eine mäßige Dosierung eines Geschmacks ihre entsprechende Wandlungsphase anregt. Ein Zuviel ihrer Geschmacksenergie schädigt diese aber. Es werden ebenfalls die Funktionskreise der
zu kontrollierenden Wandlungsphasen überlagert. Die Therapie einer solchen Überlagerung erfolgt ebenfalls via dem Ke (Kontroll)-Zyklus der 5 Wandlungsphasen: übermäßig Saures wird durch den scharfen Geschmack gebändigt, übermäßig Bitteres wird durch den salzigen Geschmack gebändigt, zuviel Süßes wird mit Saurem ausbalanciert, einseitig scharfe Ernährung wird durch bittere Nahrungsmittel kontrolliert und übermäßig Salziges wird durch den süßen Geschmack gebändigt (vergl. Su Wen, Kap. 5).
Andersherum zeigt ein übermäßiges Verlangen nach einer Geschmacksrichtung
deutlich eine energetische Störung ihrer entsprechenden Wandlungsphase, z. B. ein Janker auf sauer auf eine gestörte Holzphase, resp. Leber oder Gallenblase.
Hier wird ein Mangel signalisiert, der durch die selektive Ernährung kompensiert werden soll. Von dieser Mangelsituation braucht nur eine Wandlungsphase betroffen zu sein, aber auch eine zu starke Bändigung über den Ke-Zyklus ist möglich; das geschwächte Holz z.B. versucht dann, über eine vermehrt saure Nahrung ihr eigenes Energiepotential aufzufüllen und die Schärfe des Metalls abzuwehren.
Eine starke Abneigung gegenüber einer Geschmacksrichtung ist das Zeichen einer Fülle oder Stauung in der entsprechenden Wandlungsphase; z.B. Ekel vor sauren Speisen kann auf ein Leber-Qi-Stau hinweisen. Die Speicher sind übervoll und können nicht mehr die nächste Wandlung (Feuer) vollziehen. Das Qi der Leber stagniert. Süßes entspannt die Leber und läßt wieder Freude aufkommen.
Geschmackliche Begierden oder Abneigungen sind also wichtige diagnostische und therapeutische Hinweise in der chinesischen Diätetik!
3.3. Die Wirkrichtungen der Nahrung (Si Xiang):
Die 4 Wirkrichtungen der Speisen werden mit aufsteigend, absenkend, an die Oberfläche bringend und nach Innen gehend charakterisiert. Sie zeigen die Richtung an, in der sich das Qi der Speisen bewegt.
a) aufsteigend (Sheng): bedeutet auch emporheben, hochziehen und wirkt
einer Krankheitsdynamik entgegen, die nach unten gerichtet ist.
Nahrungsmittel mit aufsteigender Tendenz heben das Yang an, können einen Brechreiz auslösen dienen der Wiederbelebung. Klinische Anwendungsbereiche
sind z. B. Durchfälle, Vorfälle und Lebensmittelvergiftungen.
Ein wichtiger Punkt in der Akupunktur, der das Yang aufsteigen läßt, ist der Punkt Bai Hui (Du 20) = hundertfache Versammlung. Er wird dann mit Moxa behandelt.
b) absenkend (Jiang): bedeutet auch nach unten drücken und wirkt einer Krankheitsdynamik entgegen, die nach oben gerichtet ist. Nahrungsmittel mit absinkender Tendenz wirken purgierend, harntreibend, gegen Erbrechen und lindern Atemnot.
Klinische Anwendungen sind z.B. Husten, Asthma, Erbrechen, Miktionsstörungen. Ein nach oben schlagendes Leber-Yang zeigt Symptome wie Reizbarkeit, Aggress- ionsbereitschaft, Schwindel, migräneartige Kopfschmerzen , Ohrensausen , bitterer Mundgeschmack und gerötete Augen. Dieser Symptomkomplex kann ebenfalls mit absenkenden Nahrungsmitteln behandelt werden.
Ein wichtiger Punkt in der Akupunktur, der das Yang absteigen läßt und Yin-Energie zum Kopfbereich bringt, ist der Punkt Zu San Li (Ma 36) = Heimat des Qi am Fuß. Er wird dann ableitend (Xie) genadelt.
c) an die Oberfläche bringend (Fu): bedeutet auch nach außen bringen. Narungsmittel mit einer Wirkrichtung zur Oberfläche zerstreuen Kälte, vertreiben Wind und befreien so die Außenseite von krankmachenden klimatischen Faktoren. Sie wirken schweißtreibend, gleichzeitig senken sie das Fieber. So wirken sie einer Krankheitsdynamik entgegen, die von außen nach innen geht.
Bei allen akuten, fieberhaften Erkrankungen,
be i denen exogene Faktoren (Wind, Kälte, Nässe, Hitze) die körpereigene Abwehr auf die Probe stellen, sind nach außen gerichtete Speisen zu bevorzugen.
d) nach innen gehend (Chen)l bedeutet auch in der Tiefe verankern; Nahrungsmittel mit dieser Tendenz wirken einschnürend, Hitze beseitigend und die Schweißbildung hemmend. Sie wirken einer Krankheitsdynamik entgegen, die nach außen gerichtet ist.
Wo lebenswichtige Energien und Säfte den Körper zu verlassen drohen oder ein Säfteverlust bereits eingetreten ist, z. B. starke Schweißausbrüche, Blutungen, Samenergüsse etc. wird das Yin massiv geschädigt. In diesem Fall helfen nach innen gehende und vor allen Dingen saure Speisen, die Säfte zu schützen und das Innere zu bewahren.
Die Wirkrichtungen der Nahrungsmittel entsprechen dem Paar Innen/Außen (Li-Biao) der 8 Leitkriterien. Hiermit wird die Lokalisation einer Erkrankung diagnostiziert, ihre Schwere und ihre Entwicklungstendenz. Zur Oberfläche gehören Haut, Haare, Fleisch, Muskeln und das Meridiansystem, zum Inneren gehören die Zang-
Fu-Organe und die Knochen. Oberflächliche Erkrankungen sind akut, stürmisch und leichter zu behandeln. Nahrungsmittel mit aufsteigender und zur Oberfläche gehender Wirkung vertreiben die exogenen Übel. Innere Erkrankungen sind meist chronisch, schleichend und schwerer zu behandeln. Sie weisen auf endogene Störungen hin (Stress, Ernährungsfehler, Emotionen), die ins Innere gegangen sind. Hier muß die Ernährung grundlegend umgestellt werden und die Ursache der Erkrankung gefunden werden.
3. 4. Zuordnung der Nahrungsmittel zu den 5 Wandlungsphasen und dem Leitbahnsystem:
Diese Entsprechungen sind eher allgemeiner Natur und für die konkrete Ernährungstherapie zweitrangig. Es wird in Betracht gezogen die Form, die Farbe, die Konsistenz und der Hydrationsgrad der Nahrungsmittel.
a) Form: Aussehen und Gestalt der Lebensmittel bestimmt ihre Zugehörigkeit zu einer Wandlungsphase; z.B. Nierenbohnen gehören zur Wandlungsphase Wasser, Leber als Fleisch stimuliert das Holz; Walnüsse entsprechen dem Wasser, da ihre Gestalt dem Gehirn ähnelt. Das Gehirn ist aus chinesischer Sicht das Meer des Markes und wird von den Nieren "gefüllt".
b) Farbe: entsprechend der 5 Wandlungsphasen gehören grüne Speisen (Gemüse, Spinat, grünes Obst) zum Holz, rote Speisen (Rotwein, rote Beete, Bohnen, Paprika) zum Feuer, gelbe Speisen (Bananen, Kartoffeln, Mais) zur Erde, weiße Speisen (Reis, Zwiebeln, Ingwer, Gin) zum Metall und schwarze / dunkle Speisen (Gans, Kaviar, Muscheln, Schwein) zum Wasser.
c) Konsistenz: steinhaltige Nahrungsmittel (z.B. Steinobst) gehören zum Holz, faserhaltige Speisen (z. B. Gemüse und Getreide) zum Feuer, fleischige Nahrungsmittel (z.B. Fleisch, Fisch) zur Erde, knusprige Nahrung (z.B. Popcorn, Cornflakes etc.)
zum Metall und saftige Speisen (z.B. Wassermelonen) gehören zum Wasser.
d) Hydrationsgrad: bezeichnet Lebensmittel, die entweder eher befeuchten oder austrocknen.
Schlüpfrige Speisen wirken bei Obstipation und anderen Störungen, die Flüssigkeiten austrocknen, befeuchtend. Lebensmittel, die besonders Flüssigkeit produzieren, sind: Bananen, Honig, MiIch, alle Milchprodukte , Schweinefleisch , Eier, Sardinen, Spargel, Kohl, Muscheln, Tintenfisch, Kokosnuß, Entenfleisch, Sojabohnen, Tofu, Spinat, u.v.m.
Stopfende Speisen verlangsamen die Funktionen und trocknen aus. Sie haben die
Eigenschaft, exzessive Nässe auszuleiten und auszutrocknen oder aber bei flüchtigen Prozessen mit Substanzverlust die Säfte zurückzuhalten (z.. bei Diarrhöen, starkem Erbrechen, exzessivem Schwitzen, nächtl. Samenergüssen). Beispiele sind:
Roggenbrot, Anchovis, Kastanien, Geflügel, Reis, Nierenbohnen, Kohlrabi, Radieschen, Schokolade, u.v.m.
In der chinesischen Diätetk fällt auf, daß die letzten Qualifikationen der Nahrungsmittel eher unspezifisch sind und für eine gezielte Therapie nicht ausreichen.
Für eine individuelle Diät ist das thermische Verhalten der Speisen ausschlaggebend,in zweiter Linie dann ihre Geschmacksrichtung.
Ebenso wie in der Pharmakologie hat die chinesische Medizin auch für die Nahrungsmittel eine Materia Medica entwickelt. Eine umfassende Darstellung würde allerdings den Rahmen dieses Buches sprengen, weshalb auf die einschlägige Literatur verwiesen wird.
Über die Energie der wichtigsten Nahrungsmittel sollen die folgenden Tabellen einen kurzen Überblick geben:
Tabelle 1: Getreide
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Buchweizen |
kühl |
süß |
Mi, Ma, Di |
Magen-Qi |
Nässe-Hitze |
|
Dinkel |
warm |
süß |
Mi |
Milz-Qi |
Nässe-Kälte |
|
Gerste |
kühl |
salzig, süß |
Mi, Ma |
Blut, Yin |
Nässe-Hitze |
|
Hafer |
warm |
süß |
Ni, Mi |
Blut, Qi |
Qi-Zirkulation |
|
Hirse |
kühl |
salzig, süß |
Ni, Mi, Ma |
Nieren-Qi |
mittl. Erw. |
|
Leinsam |
neutral |
süß |
Di, Le, Mi |
||
|
Mais |
neutral |
süß |
Ni, Di, Ma |
Blut, Qi |
Flüssigkeiten |
|
Reis |
neutral |
süß |
Mi, Ma |
Blut, Qi |
mittl. Erw. |
|
Roggen |
neutral |
bitter |
Ga, Le, Mi |
||
|
Sesam (schw.) |
neutral |
süß |
Le, Ni |
Essenz, Yin |
5 Zang |
|
Soja |
kühl |
süß |
He, Ma |
Toxine, Hitze |
|
|
Sorghum |
warm |
süß |
Mi, Ma, Di, Lu |
Milz |
Nässe-Kälte |
|
Weizen |
kühl |
süß |
He, Mi, Ni |
Herz, Niere |
Hitze |
|
Weizenkeime |
kalt |
scharf |
He, Dü |
Blutzirkulation |
|
|
Weizenkleie |
kühl |
süß |
Di |
Blut, Qi |
Hitze |
Tabelle 2 Gemüse:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Aubergine |
kühl |
süß |
Di, Ma, Mi |
Qi, Blut |
Blutstau |
|
Bambusspros. |
kalt |
süß |
Di, Lu, Ma |
Yin |
Hitze, Gifte |
|
dicke Bohnen |
neutral |
süß, fade |
He, Le |
Blut, Yin |
Nässestau |
|
Erbsen |
neutral |
süß |
Mi, Ma |
Qi, Blut |
mittl. Erw. |
|
grüne Bohnen |
neutral |
süß |
Mi, Ni |
Yin |
Nieren |
|
Gurke |
kühl |
süß |
Di, Ma, Mi |
Qi, Blut |
Hitze, Gifte |
|
Kartoffel |
neutral |
süß |
Ni, Mi, Ma |
Qi, Yin |
Hitze |
|
Kohlrabi |
neutral |
scharf,süß,bitt. |
Mi, He, Lu |
Qi |
Nässestau |
|
Kürbis |
neutral |
süß |
Lu, Mi |
Qi, Blut |
Nässe |
|
Lauch |
warm |
scharf |
Lu, Ma |
Qi, Yang |
Kälte |
|
Möhren |
neutral |
süß |
Lu, Mi |
die Mitte |
Verdauung |
|
Pilze |
kühl |
süß |
Di, Dü, Ma, Lu |
Magen |
Schleim |
|
Radieschen |
kühl |
scharf, süß |
Lu, Ma |
die Mitte |
Gifte, Hitze |
|
Rote Bete |
neutral |
süß |
Mi, Ma |
Yin, Blut |
gegenl. Qi |
|
Seetang |
kalt |
salzig |
Ni, Ma |
Yin |
Hartes, Hitze |
|
Sellerie |
kühl |
süß, bitter |
Ma, Le |
Leber-Yin |
Wind, Nässe |
|
Sojabohnen |
kühl |
süß |
Di, Mi |
Qi, Yin |
Hitze, Dürre |
|
Spargel |
kalt |
süß, bitter |
Lu, Ni |
Yin |
Nässe, Hitze |
|
Spinat |
kühl |
süß |
Di, Ma |
Blut |
Trockenheit |
|
Steckrüben |
neutral |
scharf,süß,bitt. |
Ma, Lu |
Blut |
Hitze, Gifte |
|
Zwiebel |
warm |
scharf, bitter |
He, Lu, Le |
Qi, Yang |
Wind, Kälte |
Tabelle 3 Früchte:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Ananas |
neutral |
süß, sauer |
Mi, Ma |
Yin |
Hitze, Ödeme |
|
Aprikose |
neutral |
süß, sauer |
Lu |
Yin, Blut |
Dürre |
|
Apfel |
kühl |
süß, sauer |
He, Lu, Ma |
Yin |
Hitze, Dürre |
|
Banane |
kalt |
süß |
Lu, Di |
Yin, Blut |
Verstopfung |
|
Birne |
kühl |
süß, sauer |
Lu, Ma |
Yin |
Schleim- Hitze |
|
Brombeere |
warm |
süß, sauer |
Le, Ni |
Ni- Yang |
Ödeme |
|
Datteln |
warm |
süß |
Le, Lu, Mi |
Qi, Blut |
mittl. Erw. |
|
Erdbeere |
warm |
süß, sauer |
Ni, Le,Lu, Mi |
Yin, Blut, Qi |
Blut- Stau |
|
Feige |
neutral |
süß |
Le, Lu, Mi |
Qi, Blut |
Gifte, Hitze |
|
Grapefruit |
neutral |
süß, sauer |
Lu, Mi, Ni |
Qi, Blut |
Qi- Stau |
|
Himbeere |
neutral |
süß, sauer |
Le, Ni |
Yang |
|
|
Ho- Melone |
kalt |
süß |
Ma |
Ma- Yin |
Hitze |
|
Kirsche |
warm |
süß |
He, Mi, Ma |
Qi |
Kälte, Blutstau |
|
Mandarine |
kühl |
süß, sauer |
Lu, Ma |
Yin |
Qi- Stau |
|
Mango |
kalt |
süß, sauer |
Ma |
Yin |
Hitze |
|
Orange |
kühl |
süß, sauer |
Le |
Yin |
Hitze |
|
Pfirsich |
warm |
süß, sauer |
Le,Ma, Dü, Di |
Qi, Yang |
Qi- Blut- Stau |
|
Pflaume |
neutral |
süß, sauer |
Le |
Le- Yin |
Hitze |
|
Wa- Melone |
kalt |
süß |
Bl, He, Ma |
Yin |
Hitze, Ödeme |
|
Zitrone |
kalt |
sauer |
Ga, Ni, Lu, Mi |
Yin |
Le- Yin Xu |
Tabelle 4 Nüsse und Samen:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Erdnuß |
neutral |
süß |
Lu, Mi |
Lu-Yin |
Säfte |
|
Haselnuß |
neutral |
süß |
|||
|
Kastanie |
warm |
süß |
Ni, Mi, Ma |
Yang |
Nieren |
|
Kokosnuß |
warm |
süß |
He |
Qi, Blut |
|
|
Kürbiskerne |
neutral |
bitter, süß |
Di, Mi, Bl |
Qi, Blut |
|
|
Mandeln |
neutral |
süß |
Lu |
Lu-Yin |
Schleim |
|
Pinienkerne |
warm |
süß |
Di, Le, Lu |
Säfte |
Säfte |
|
Pistazien |
neutral |
bitter,sauer,süß |
Ni, Le |
Yang |
|
|
Sonnenbl.ker. |
neutral |
süß |
Mi |
Milz |
Verdauung |
|
Walnuß |
warm |
süß |
Lu, Ni |
Ni-Essenz |
Verstopfung |
Tabelle 5 Meeresgetier:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Aal |
warm |
süß |
Le, Mi, Ni |
Qi, Yang |
Wind, Nässe |
|
Auster |
neutral |
süß, salzig |
Ni, Le |
Qi, Yin, Blut |
Dürre |
|
Forelle |
heiß |
sauer |
Ma |
Qi, Yang |
Kälte |
|
Frosch |
kühl |
süß |
Bl, Di, Dü, Ma |
Qi |
Hitze, Toxine |
|
Garnele |
warm |
süß |
Ni, Le |
Yang |
Schleim |
|
Hai |
neutral |
salzig, süß |
Mi |
Yin |
|
|
Hering |
neutral |
süß |
Lu, Mi |
Qi |
Toxine |
|
Hummer |
warm |
salzig, süß |
Ni |
Yang |
Schleim |
|
Karpfen |
neutral |
süß |
Mi, Ni |
Qi |
Wasseraussch. |
|
Krabben |
kalt |
salzig |
Le, Ma |
Yin |
Hitze, Schleim |
|
Lachs |
neutral |
süß |
Mi, Ma |
||
|
Makrele |
neutral |
süß |
Le, Ma |
Qi |
Wasseraussch. |
|
Miesmuschel |
kalt |
salzig |
Ni, Le, Ma |
Yin |
Hitze |
|
Sardellen |
warm |
süß |
Yang |
Kälte, Nässe |
|
|
Sardinen |
neutral |
salzig, süß |
Mi, Ma |
Wasseraussch. |
|
|
Stör |
neutral |
süß |
Le, P |
Qi |
|
|
Tintenfisch |
kalt |
salzig, süß |
Ni, Bl |
Yin, Qi, Blut |
Hitze |
Tabelle 6 Fleisch:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Ente |
neutral |
süß |
Ni, Lu |
Yin |
Säfte |
|
Fasan |
warm |
sauer, süß |
He, Ma |
Qi |
|
|
Gans |
neutral |
süß |
Lu, Mi |
Yin, Qi |
Magen |
|
Hammel |
warm |
süß |
Ni, Mi |
Qi |
Kälte |
|
Huhn |
warm |
süß |
Mi, Ma |
Qi, Jing |
Kälte |
|
Hund |
warm |
salzig |
Mi, Ma, Ni |
Qi, Yang |
Schwäche |
|
Kaninchen |
kühl |
süß |
Le, Di |
Yin, Qi |
|
|
Lamm |
heiß |
süß |
Ni, Mi |
Yang |
Toxine |
|
Leber/Huhn |
warm |
süß |
Ni, Le |
Qi |
Blutzirkulation |
|
Leber/Schw. |
warm |
bitter, süß |
Le |
Blut |
|
|
Nieren/Rind |
warm |
süß |
Ni |
Yang |
|
|
Nieren/Schw. |
neutral |
salzig |
Ni |
Yin |
|
|
Rind |
neutral |
süß |
Di, Mi, Ma |
Yin, Qi, Blut |
Fleisch |
|
Schinken |
warm |
salzig |
Mi |
Qi |
|
|
Schwein |
neutral |
salzig, süß |
Ni, Mi, Ma |
Yin, Blut |
Trockenheit |
|
Spatz |
warm |
süß |
Bl, Ni |
Yang |
|
|
Taube |
neutral |
salzig, süß |
Yin, Qi |
||
|
Truthahn |
warm |
süß |
Mi, Ma |
||
|
Wachtel |
neutral |
süß |
Mi, Ma, Di |
Qi |
Nässe-Hitze |
Tabelle 7 Milchprodukte:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Butter |
warm |
süß |
Kälte, Blut |
||
|
Ei (Huhn) |
neutral |
süß |
He, Ni, Lu, Ma |
Yin, Blut |
|
|
Eiweiß |
neutral |
süß |
Lu |
Hitze |
|
|
Eigelb |
neutral |
süß |
He, Ni |
Yin, Blut |
|
|
Ei (Ente) |
kühl |
süß |
He, Lu, Ma |
Yin |
|
|
Joghurt |
kalt |
sauer, süß |
|||
|
Käse |
neutral |
sauer, süß |
Lu |
Yin |
|
|
Milch (Kuh) |
neutral |
süß |
He, Lu, Ma |
Yin |
|
|
Milch (Ziege) |
warm |
süß |
Ma |
Qi |
Tabelle 8 Öle und Beilagen:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Agar Agar |
kalt |
süß |
Le, Lu |
Yin |
Hitze, Gifte |
|
Erdnußöl |
neutral |
süß |
Di, Lu, Mi |
Säfte |
Würmer |
|
Essig |
warm |
sauer, bitter |
Le, Ma |
Blut |
Blutstase |
|
Honig |
neutral |
süß |
Di, Lu, Mi |
Qi, Blut |
Dürre, Gifte |
|
Jelly Royal |
neutral |
süß |
Le, Mi |
Yin, Qi |
|
|
Melasse |
warm |
süß |
Ni, Le, Mi |
Qi, Blut |
|
|
Olivenöl |
neutral |
süß |
Mi, Le |
||
|
Pollen |
neutral |
alle |
alle |
Qi, Blut |
|
|
Salz |
kalt |
salzig |
Ni, Di, Dü, Ma |
Feuer, Gifte |
|
|
Sesamöl |
kühl |
süß |
Ma |
Hitze, Gifte |
|
|
Sojaöl |
heiß |
scharf, süß |
Di |
Qi, Yang |
Blutstau |
|
Sojasoße |
kühl |
salzig |
Di, Mi |
||
|
Zucker, braun |
warm |
süß |
Le, Mi |
||
|
Zucker, weiß |
neutral |
süß |
Lu, Mi |
Mittl. Erwärmer |
Befeuchtet |
Tabelle 9 Getränke:
|
Name |
Thermik |
Geschmack |
Leitbahn |
Tonisiert |
Reguliert |
|
Alkohol |
warm, heiß |
bitter, scharf |
He, Le, Lu, Ma |
mittl. Erwärmer |
Kälte |
|
Anistee |
warm |
bitter, süß |
He, Lu, Ma |
Yang |
Qi-Stau |
|
Bier |
kühl |
bitter, süß |
He, Mi, Ma |
Yin |
Säfte |
|
Himbeertee |
kühl |
sauer |
Ma |
Nässe |
|
|
Jasmintee |
warm |
scharf, süß |
Ni, Le, Mi |
Yang |
Kälte, Schleim |
|
Kaffee |
warm |
bitter, süß |
He |
Yang |
Kälte, Nässe |
|
Kamillentee |
kühl |
bitter, süß |
Le, Di, P, Lu, M |
Qi-Stau |
|
|
Löwenzahntee |
kalt |
salzig, süß, bitt |
Gbl, Le Mi |
Hitze |
|
|
Pfefferminztee |
kühl |
scharf, süß |
Le, Lu, Mi |
Hitze, Gifte |
|
|
Sojamilch |
neutral |
süß |
Lu, Ma |
Blut |
Schleim |
|
SchwarzerTee |
kühl |
bitter, süß |
He, Lu, Ma |
Yin |
Schleim, Gifte |
|
Wein |
warm |
süß, sauer |
He, Le, Lu, Ma |
Qi |
Qi und Blut |
Tabelle 10 Gewürze:
3. 5. Die Kunst der chinesischen Küche:
Es ist sehr schwer, die chinesische Kochkunst nachzuahmen. Die verschiedenen Methoden der Zubereitung verändern die Energie der Nahrungsmittel noch zusätzlich und müssen bei einer Ernährungstherapie berücksichtigt werden.
Allein das Zuschneiden der Rohmittel wird als eine Kunst angesehen und wirkt auf die Energie der Lebensmittel. Grundsätzlich werden drei Arten des Schneidens unterschieden:
a.) Die erste Art dient der groben Vorbereitung der Speisen. Das ganze Nahrungsmittel wird "geöffnet" , d. h. in geeignete Stücke geteilt.
b) Die Zweite ist die feinere Zubereitung. Hier wird das Nahrungsmittel in verschiedene Formen zugeschnitten, z. B. Streifen, Würfel, Stückchen, die einheitliche Figuren aufweisen.
c) Die dritte Form ist eine dekorative Zubereitung. Es werden z. T. künstlerische Figuren entworfen, die das Auge erfreuen und den Geist anregen, denn: das Auge ißt immer mit!
3. 5. 1. Die verschiedenen Kochmethoden:
darunter versteht man die Art und Weise der Erhitzens von Speisen. Sie beeinflussen das Qi der Nahrung am deutlichsten. Es gibt wenigstens 50 verschiedene Kochmethoden in der chinesischen Küche. Jede hat einen anderen Effekt auf die Nahrung.
Die wichtigsten sollen im Folgenden beschrieben werden.
a) Braten und Rösten: die chinesische Küche benutzt sehr wenig bis gar kein Fett zum Braten. Es ist eher ein Toasten in der Pfanne (Wok), bei dem das Äußere knusprig und braun, das Innere aber saftig und frisch bleibt. Man braucht dazu viel Hitze und eine schnelle Hand. So zubereitet, erhalten die Speisen sehr viel Yang-Energie (Hitze). Zuviel Öl bringt zuviel feuchte Hitze in das Essen und belastet die Leber und Gallenblase. Verschiedene Varianten des Bratens sind u. a. noch durch die Art des Feuers , des Kochgeschirrs und der Zutaten definiert.
b) Räuchern: Durch das Aufhängen von Fleisch oder Fisch im warmen Rauch führt man der Nahrung sanfte Wärme, also etwas Yang, zu. Das Brennmaterial, welches den Rauch erzeugt, ist ebenfalls wichtig für die Energie der Speisen.
c) Kochen: Obwohl die Speisen beim Kochen erhitzt werden, kommt wenig Yang-Energie in die Nahrung. Einige Autoren behaupten sogar, daß Kochen kühlende Eigenschaften hat! Es wird also stärker die Yin- Komponente angeregt, dabei jedoch die Geschmacksenergie deutlich herausgebracht. Die Zeitdauer des Kochvorgangs, die Stärke des Feuers und die Reihenfolge der eingebrachten Speisen bestimmen entscheidend die Energetik des fertigen Gerichtes. Manche "Meistersuppen" simmern 24 Stunden und länger auf kleinster Flamme, um dadurch ihre größte Heilkraft zu erhalten. Die freigesetzte Energie der "alchemistischen Küche" ist durchaus vergleichbar mit der potenzierten Heilkraft homöopathischer Remedies.
d) Beim Dünsten passiert etwas Ähnliches. Nur werden hier die Speisen im eigenen Saft gekocht, so daß der Geschmack der Nahrungsmittel klarer durchscheint. Die Frische und das Aussehen der Speisen bleiben beim Dünsten am besten erhalten. Ihre Energie ist am besten mit neutral zu bezeichnen.
e) Pökeln: Salz bewirkt, daß das Qi der Nahrung absinkt und in die Tiefe geht. Salz hat ein kaltes Temperaturverhalten , befeuchtet und hemmt die Yang-Energie. Das Salzen der Speisen vermehrt also sehr stark die Yin-Energie.
f) Würzen: Ingwer z.B. vermehrt das yang und bringt die Energie der Nahrungsmittel an die Oberfläche; es dient so der Anregung aller Funktionen und wirkt der Kälte entgegen. Die meisten Gewürze haben ein warmes bis heißes Temperaturverhalten und tonisieren den mittleren Erwärmer.
g) Wein: die chinesische Küche verfeinert ihre Speisen häufig mit einem Schuß Reiswein. Seine Wirkung ist nach oben gerichtet, er kompensiert eine Qi-Leere im oberen Erwärmer. Wein fördert die Blutzirkulation und zerstreut ebenfalls Kälte. Der Reiswein wird während des Röstens den Speisen zugeführt und langsam absor-
biert. Er erwärmt die Speisen.
h) Essig: wirkt zusammenziehend und entgiftend; er ist wohltätig bei Gelbsucht, Blutungen und Lebensmittelvergiftungen. Ein altes chinesisches Hausmittel empfiehlt, wenn ein Kind häufig Krämpfe hat und ohnmächtig wird, Essig sehr heiß zu kochen und die Dämpfe einatmen zu lassen. Der Patient soll sofort das Bewußtsein wiedererlangen. Essig ist zu meiden bei Muskel- und Sehnenerkrankungen.
3. 5. 2. Das Kochen im Zyklus der fünf Wandlungsphasen:
Ein weiterer Aspekt des energetischen Kochens ist die Reihenfolge, in der die Speisen in den Kochtopf wandern. Hierbei folgen wir dem Hervorbringungs- (Sheng)- Zyklus der Wu Xing. Beim Kochen müssen dabei die einzelnen Zutaten gemäß des Sheng-Zyklus zugeführt werden, um eine harmonische Einheit zu bekommen.
Dieses Prinzip läßt sich vom Käsebrot bis zum 5-Gänge-Menü auf alle Essenszubereitungen übertragen. Das Kochen im Zyklus der fünf Wandlungsphasen ist nichts anderes als die Übertragung des kosmischen Prinzips auf die mikrokosmische Ebene. Wir benutzen den fördernden, aufbauenden Kreislauf der Elemente, um das Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile des Essens zu unterstützen.
4. Das Dao des richtigen Essens:
Eine gesunde Ernährung ist nur so viel wert wie das Eßverhalten des Menschen.
Wie jede natürliche Aktivität ist auch der Magen als großer Speicher (Tai Cang) der Nahrung einem natürlichem Rhythmus unterworfen. Dieser richtet sich nach den Maximalzeiten der Zang-Fu-Organe.
4. 1. Die richtige Zeit:
Die üppigste Mahlzeit sollte in der Zeit zwischen 7-9 Uhr morgens eingenommen werden. Dies entspricht der Maximalzeit des Magens, in dieser Doppelstunde hat er seine größte Aufnahmekapazität und Verdauungsleistung. Am Abend sollte man am wenigsten essen, weil hier die Magenfunktion am geringsten ist. Zwischen 19-21 Uhr ist die Herzbeutelfunktion (Xin Bao Luo) am stärksten, und unser "Herzbeschützer" sollte etwas anderes zu tun haben, als sich dann mit üppigem Essen zu quälen. Seine Aufgabe in dieser Zeit ist, Lust und Freude zu vermitteln, ein voller Bauch ist da nur im Weg!
Cao Ting Dong aus der Qing-Dynastie sagt dazu: "Das Yang-Qi nimmt gegen Mittag zu und ist schwach bei Sonnenuntergang. Deshalb sollte genügend zum Frühstück gegessen werden, weniger zum Mittag und sparsam zum Abend und zur Nacht. Dies ist notwendig, um dem Magen leer zu halten."
Sun Si Miao aus der Tang-Dynastie schreibt: "Ältere Menschen sollten nicht zu üppige Mahlzeiten zu sich nehmen sondern lieber häufigere kleine. So können Magen und Milz die Speisen leichter verdauen und die Nahrungsessenz wird immer für sie da sein."
4. 2. Die richtige Einstellung:
Auch ungewöhnliche emotionale Veränderungen können die Verdauungsfunktionen von Milz und Magen beeinträchtigen. So ist es nicht ratsam, seine Mahlzeiten in heftiger Freude, wildem Zorn, großer Angst oder starker Trauer einzunehmen.
Li Yu aus der Qing-Dynastie sagt: "Bei Ärger ist es leicht, das Essen zu schlucken, aber schwer, es zu verdauen, während bei Kummer das Essen schwer zu schlucken und auch zu verdauen ist. Deshalb ist es ratsam, bei starken Gemütsbewegungen mit dem Essen zu warten, bis sie abgeklungen sind. Speisen sollten immer zur richtigen Zeit eingenommen werden, dann kann man sie leicht verdauen. Spät zu essen und das Essen zu verdauen ist besser, als früh zu essen und nicht verdauen zu können. Verdauungsprobleme bringen Ärger mit sich, während eine gute Verdauung den Menschen frei von Sorgen macht. Es ist nicht ratsam, Nahrung aufzunehmen, wenn sich starke Emotionen entwickeln."
4. 3. Regulierung des Essens im Einklang mit den Jahreszeiten:
Der Mensch vollzieht den äußeren Rhythmus der Natur in seinem Inneren nach und sollte sein Eßverhalten dem Wechsel der vier Jahreszeiten anpassen.
a) Frühling: Die drei Monate des Frühlings bedeuten das wiedererwachende Leben in der Natur. Es wird wärmer, alles Leben kehrt zurück und die Natur ergrünt. Im Menschen ist es das Leber-Qi, das sich entwickeln und frei entfalten will. Deshalb sollte man im Frühling mehr süße und warme Speisen essen, die das Milz-Qi anregen und die Leber entspannen. Mäßig Saures stabilisiert das Leber-Yin und verhindert ein zu aufloderndes Leber- Yang, während zuviel Saures das Leber-Qi blockiert. Grüne Speisen passen zum Grün in der Natur.
b) Sommer: Die drei Monate des Sommers bedeuten das nach außen gerichtete Leben. Sie bringen Hitze und üppiges Wachstum. Im Menschen ist es die Feuer-Energie, die die Yin-Substanz angreift. Deshalb sollte man im Sommer kühlende Speisen essen, die die Hitze neutralisieren und flüssigkeitsbildende (z. B. Gurken und Melonen), welche die Säfte ergänzen können. Zu meiden sind im Sommer zu heiße Speisen, da sie das Feuer noch weiter schüren. Mäßig Bitteres ergänzt das Herz-Yin, zuviel Bitteres jedoch trocknet die Flüssigkeiten aus. Kühle Getränke sind im Sommer unentbehrlich wegen der großen Schweißverluste und dem Mangel an Körperflüssigkeiten. Sie helfen mit, die innere Hitze zu zerstreuen und die Körperflüssigkeiten aufzufüllen. Dennoch sollte man im Sommer zuviel kalte Getränke meiden, da sie gesundheitsschädlich sein können. Qiu Chu Ji sagt dazu:
"Im Sommer ist das Qi des Herzens üppig, während das Nieren-Qi schwach ist. Obgleich es sehr heiß werden kann, ist es nicht ratsam, zuviel kaltes Essen und Trinken zu haben. Dies verursacht einen Angriff von pathogener Kälte, so daß Erbrechen und Durchfälle entstehen."
Als bestes Getränk zum Entfernen von Sommerhitze ist schwarzer oder grüner Tee zu empfehlen. Tee ist süß-bitter im Geschmack und hat ein kühles Temperaturverhalten, damit kann er "Sommerhitze zerstreuen, Giftstoffe austreiben, das Herz-Feuer kühlen, den Geist beruhigen, Hitze von Leber und Gallenblase entfernen und Magen und Lunge befreien." (Wang Shi Xiong, Qing Dynastie)
c) Herbst: Die Energie des Herbstes ist das klare Kühle, das Yang-Qi nimmt ab, während das Yin-Qi zunimmt. Aufgrund der kühleren Witterung ist der Mensch anfälliger für Krankheiten, der Zerfall in der Natur bringt für den Menschen vermehrt Magen-Darm-Probleme. In dieser Zeit ist das Yang-Qi von Milz und Magen besonders gefährdet. Zu meiden sind kalte Speisen und Getränke, welche die Milz-Funktion schwächen können und Nässe fördern. Nützlich sind erwärmende Speisen und solche mit scharfem Geschmack. Scharfes aktiviert die Qi-Zirkulation und kann besonders unser Wei-Qi nach außen bringen, um äußeren pathogenen Faktoren entgegenzuwirken. Da die natürliche Bewegungstendenz im Herbst das Sammeln ist, sollte jedoch zuviel Scharfes vermieden werden.
d) Winter: Während der drei Wintermonate, der kältesten Jahreszeit von allen, ist das Yin-Qi in Fülle, während das Yang-Qi sich zurückzieht und leicht eine Leere aufweist. Alles Leben wirkt im Verborgenen und dient der Speicherung im Inneren. Im Winter sind Speisen zu bevorzugen, die in die Tiefe gehen und das Yang schützen. Zu meiden sind kalte und zu salzige Speisen. Süßes erwärmt das Innere und mäßig Scharfes aktiviert das Nieren-Qi. Nach der Winter-Sonnenwende jedoch erhebt sich das Yang-Qi erneut, und, obwohl noch im Verborgenen, gibt es seine ersten Lebenszeichen! Dies ist die beste Zeit, eine schwache Konstitution "aufzumöbeln". Speisen, die Qi und Blut tonisieren, süße schmecken und leicht erwärmen sind passend dafür (z. B. Rindfleisch, Hühnerfleisch, Entenfleisch, Lamm).
Li Shi Zhen aus der Ming-Dynastie empfiehlt sogar den mäßigen, aber regelmäßigen Genuß von Alkohol, denn:
"Alkoholische Getränke sind bitter und scharf im Geschmack und heiß in ihrem Temperaturverhalten. Wenn man ihn regelmäßig in der richten Menge trinkt, wird nicht nur der Blutfluß reguliert und die Qi-Zirkulation gefördert, sondern auch der Geist belebt und der Körper erwärmt."(Ben Cao Gan Mu)
Ein solcher Ratschlag ist natürlich mit Vorsicht zu genießen bei Personen mit Alkoholproblemen!
Die Erde ist das Zentrum unserer Ernährung. Sie begünstigt alle anderen Wandlungsphasen gleichermaßen und darf in keiner Jahreszeit fehlen. Die Erde harmonisiert die Speisen, gleicht Unebenheiten aus und ergänzt Mangelsituationen. Süße Speisen, die der Wandlungsphase Erde entsprechen, werden in jeder Jahreszeit gebraucht. Übermäßiges Verlangen nach Süßem ist ebenso schädlich wie völliger Verzicht. Wir dürfen den Kontakt zur Erde in uns nicht verlieren. Erst wenn wir die Verbindung zu unserer Mitte gefunden haben, wenn wir die Erde in uns spüren, können wir zu einem harmonischen Gleichgewicht von Yin und Yang in der Ernährung finden.
Verhaltensregeln für ein gutes Essen:
- Freude:
Freude am Essen zu haben, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, die Speisen genießen zu können. Wenn wir mit dem Essen zufrieden sind und eine gute Beziehung zu dem haben, was wir essen, wird unser Körper den Stoff besser in unser System integrieren können. Oft ist es wichtiger, eine bessere Beziehung zum Essen zu bekommen, als eine neue Diät auszuprobieren!- Positive Einstellung: Viele von uns hängen Glaubenssystemen nach, die Speisen in gut oder schlecht einteilen. Was allerdings gut oder schlecht für unseren individuellen Organismus ist, sollte uns nicht von einer Ideologie vorgeschrieben werden. Besser, ein Stück Schokoladentorte mit Genuß und ohne Schuldgefühle essen, wenn man Appetit darauf hat. Was immer wir essen, sollten wir für uns akzeptieren und willkommen heißen. Damit schaffen wir für unsere Milz ein gutes Klima, das Beste aus der Nahrung herauszuholen.
- Entspannung: Die Chinesen glauben, daß es besser ist, Essen und Arbeit nicht zu vermischen. Unsere Verdauung funktioniert am besten, wenn wir uns auf die Freuden des Essens konzentrieren und nicht an die Belastungen am Arbeitsplatz denken. Soweit es möglich ist, sollten wir unsere Mahlzeit ruhig und entspannt einnehmen und dabei weder lesen noch fernsehen oder Dienstbesprechungen abhalten.
- Gut kauen: Die Chinesen sagen, der Magen hat keine Zähne. Wir sagen, gut gekaut ist halb verdaut! Wir sollten es uns zur Gewohnheit machen, jeden Bissen mindestens 20 mal zu kauen. Gut gekautes Essen hilft den Verdauungsorganen, die Essenz leichter aus der Nahrung zu extrahieren. Außerdem fühlt man sich schneller satt und braucht nicht so viel zu essen. Kalte Speisen werden durch intensives Kauen auch erwärmt.
- Aufhören, wenn es am Besten schmeckt: In unserer Überflußgesellschaft kann dies manchmal schwierig sein. Wer kennt nicht das Völlegefühl und die Schläfrigkeit, die entsteht, wenn man sich "überfressen" hat? Alles Qi und Blut fließt in den mittleren Erwärmer, um den Exzeß bewältigen zu können. Wird dies zur Gewohnheit, wird unsere Milz geschwächt und Nässe-Schleim kann sich bilden. Um diese Überfülle überhaupt bewältigen zu können, wird sie als Fettreserve zur Seite geschoben.
- Nicht die Milz überfluten: Die Milz verabscheut zuviel Flüssigkeit, besonders wenn sie während einer Mahlzeit getrunken wird. Trinke möglichst nichts zu den Mahlzeiten! Das Getränk vermischt sich mit dem Speisebrei und verdünnt die Verdauungssäfte, so daß die Verdauungsarbeit von Milz und Magen erheblich beeinträchtigt wird. Besser ist es, zwischen den Mahlzeiten etwas zu trinken.
- Nicht die Milz verkühlen: Das Milz-Yang ist leicht zu schädigen. Besonders Rohkost oder kalte Speisen/Getränke schwächen die Milz. Der Verdauungsprozeß braucht Wärme zum Aufschließen der Nahrungsmittel. Ein Kühlschrank im Bauch konserviert die Speisen, anstatt sie zu verdauen, Nahrungsmittelblockaden können entstehen.
- Iß morgens wie ein König, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettler: Darüber ist oben schon ausführlich gesprochen worden.
- Wähle Nahrungsmittel, die frisch zubereitet sind: Essen aus Dosen, oder noch schlimmer, in der Mikrowelle zubereitet, ist energetisch denaturiert und wertlos. Das Qi der so zubereiteten Speisen ist schrägläufig (Xie) und für die Gesundheit abträglich.
- Vertraue Deinem Körper: Manchmal bekommen wir eine Gier nach etwas, das uns seltsam vorkommt. Besonders Schwangere kennen diesen gnadenlosen Appetit auf ungewöhnliche Speisen (z.B. Milchreis mit Salzhering). Obwohl solches Verlangen der Gesundheit abträglich erscheint, gibt es ein tieferes Verständnis in uns, das uns unsere wahren Bedürfnisse signalisiert. Was uns gut bekommt, ist auf dieser Ebene zu diesem Zeitpunkt auch gut für uns. Je mehr wir unser Bewußtsein diesen Körpersignalen öffnen, desto besser sind wir in der Lage, die wirklichen Bedürfnisse unseres Körpers von suchthaftem Verlangen zu unterscheiden.