Die Geschichte der Frauenheilkunde in China war seit jeher eine Geschichte der verheirateten Frau fù rén. Die Frauenheilkunde fù kē , ein eigenständiger medizinischer Zweig seit der Song-Dynastie (960-1279), beschäftigt sich also im Wesentlichen mit den Problemen von verheirateten Frauen. Ihre Wichtigkeit und Bedeutung in der Medizin wurde besonders in ihrer Fähigkeit gemessen, möglichst männliche Kinder zu bekommen und deren Erziehung zu gestalten. Dabei musste sich die verheiratete Frau oft mit Nebenfrauen und der "bösen" Schwiegermutter arrangieren, sodass Eifersucht an der Tagesordnung war. Unter solchen Bedingungen konnte Krankheitsbilder wie z. B. "eifersüchtige Brüste" dù rǔ entstehen (nach dem Zhen Jiu Da Quan).
Viele ihrer Gefühlsregungen und deren Folgen waren das Resultat der eingeschränkten und suppressiven Lebensweise der verheirateten Frau. Besonders für die song-zeitliche Ehefrau, die in den oberen Schichten selbstverständlich die vielen Nebenfrauen und Affären ihres Gatten tolerieren musste, gab es kaum einen anderen Ausweg als emotional zu reagieren, denn verändern konnte sie ihre Lebenssituation nicht. So war Eifersucht an der Tagesordnung, weshalb die neokonfuzianische Ethik diese Emotion als Versagen der Frau auslegte, deren Auswüchse wie Gift oder Besessenheit die Frau krank machen konnte. Ihre einzige Chance, die Aufmerksamkeit ihres Mannes zu erlangen, war ihre Fruchtbarkeit und die Kraft auszuhalten. Dann war sie in der Lage, Macht auf die Nebenfrauen und Konkubinen auszuüben und sich Freiräume zu schaffen.
Historisches:
Auf Orakelknochen der Shang-Dynastie (16-11. Jahrhundert v. Chr.), die uns die ältesten vorhandenen Bilder der chinesischen Schrift vermitteln, ist das Schriftzeichen für Krankheit jí klar zu erkennen: ein Mensch, vom Pfeil der Krankheit getroffen, liegt alleine auf seinem Bett. Es wird angenommen, dass mittels der Orakelknochen die Ahnen auch schon über den Ausgang von Komplikationen während der Schwangerschaft und über Frauen- und Kinderkrankheiten befragt wurden.
In den monatlichen Weisungen des Buches der Riten Lǐ Jì wird auch davor gewarnt, dass sich bei Frühlingswetter im letzten Wintermonat Schwierigkeiten während der Schwangerschaft und Fehlgeburten häufen.
In den Ma Wang Dui-Gräbern, die 1973 in China entdeckt wurden, fand man Schriftrollen aus Bambus und Seide, auf denen über medizinische Fragen diskutiert wurde. Eine der Schriftrollen behandelt explizit Fruchtbarkeit, Schwangerschaft und Geburt. Da das Alter der Ma Wang Dui-Gräber auf 187 v. Chr. datiert wird, haben wir es hier mit den ältesten Überlieferungen über chinesische Medizin zu tun!
Die Mediziner der Han-Zeit (206 v. – 220 n. Chr.) beschreiben im Huáng Dì Nèi Jīng die Geschlechtsreife von Mann und Frau und eine Kopferkrankung des Feten als Krankheit der Leibesfrucht
tāi bģng , verursacht durch einen großen Schreck der Mutter. Das wohl bekannteste Zitat aus dem Nei Jing lautet:"Mit 2 x 7 Jahren beginnt beim Mädchen die Menstruation und sie bekommt ihre Geschlechtsreife tiān guǐ. Ihr Ren Mai ist nun durchgängig tōng und ihr Chong Mai überfließend. Die monatliche Angelegenheit yuè shì erscheint nun regelmäßig und sie kann Kinder bekommen. .. Mit 7 x 7 Jahren ist der Ren Mai der Frau erschöpft xū, der Chong Mai verwelkt und das Blut wird spärlich. Ihre Geschlechtsreife ist nun beendet und ihre irdischen Wege sind nicht länger durchgängig (dì dào bù tōng . Ihr Körper wird alt, sie kann jetzt keine Kinder mehr bekommen." (Su Wen, Kap. 1)
Das Ling Shu beschreibt im 10. Kapitel eine straffe Darstellung der embryonalen Entwicklung:
"Als erstes wird der Embryo durch die Vereinigung der Essenzen von Yin und Yang (Mann und Frau) erschaffen; dann bildet sich das Mark im Gehirn, dann die Knochen, die den Körper stützen; dann die Leitbahnen und Nebengefäße, die Qi und Blut führen; dann die Muskeln und Sehnen, welche die Knochen unterstützen; dann entwickelt sich das Fleisch, um die Grenzen des Körpers zu bilden; schließlich wird die Haut fest und die Haare beginnen zu wachsen." (Ling Shu, Kap. 10)
Ganze Kapitel über Frauenheilkunde finden wir erstmals im J Yào Luè ("Auszüge aus dem goldenen Schrein"), das der berühmte Zhāng Zhņng Jǐng als Ergänzung zum Shang Han Lun ca. 300 n. Chr. verfasste. Die letzten drei Kapitel im Buch behandeln Schwangerschaftsbeschwerden, Wochenbett und diverse gynäkologische Erkrankungen. Einige Beispiele dazu:
"Während des sechsten und siebten Monats der Schwangerschaft bekommt die Patientin Fieber und einen gespannten Puls. Der Bauch ist angeschwollen und dies verschlimmert sich. Sie hat Bauchschmerzen und ein Kältegefühl, als ob der Bauch Wind zugefächert bekommt. Dies zeigt das sich Öffnen des Uterus an. Ein Dekokt mit Fu Zi (Radix Aconitum praeparata) sollte eingenommen werden, um den Uterus zu wärmen". (Kap. 20, 3)
"Eine schwangere Frau leidet unter wiederholter Übelkeit und Erbrechen. ... Dies ist ein Fall von Schwangerschaftserbrechen in den ersten Monaten. Die Patientin leidet unter Kälte-Nässeansammlungen, die das Wachstum des Embryos behindern können und der Frau das Essen erschweren. Das ständige Erbrechen kann das Magen-Qi schädigen. Das Rezept Gan Jing Ren Shen Ban Xia Wan heilt dies". (Kap. 20, 6)
"Das Pulver der Angelikawurzel Dang Gui San kann häufig verschrieben werden, da es ein Tonikum für Frauen während der Schwangerschaft darstellt!" (Kap. 20, 9)
"Die Patientin ist im 7. Monat der Schwangerschaft und bekommt eine fieberhafte Erkrankung durch Kälte. Sie hat Völlegefühl im Abdomen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Sie fühlt auch eine Schwere im Unterleib, so ähnlich, als ob ein Nässestau vorliegen würde. Im 7. Monat der Schwangerschaft sollte die Lungen-Leitbahn den Fötus ernähren, aber sie versagt darin. Das Herz-Qi gerät in Fülle. Die Behandlung sollte im Nadeln der Punkte Lao Gong (P 8) und Guan Yuan (Ren 4) bestehen. Wenn das Wasserlassen wieder normal ist, verschwinden auch die übrigen Symptome." Kap. 20, 11)
Wang Shu He, der Autor des berühmten Pulsklassikers Mài Jīng stellt ebenfalls im 3. Jahrhundert n. Chr. typische Pulsbilder von Frauen während der Schwangerschaft vor. Hier einige Beispiele aus dem Kapitel: "Methoden zum Herausfinden des Geschlechts vor der Geburt":
"Wenn die Frau im 4. Monat der Schwangerschaft ist, zeigt ein rasender Puls an der linken Hand einen Jungen an, während ein rasender Puls an der rechten Hand ein Mädchen anzeigt, ein rasender Puls auf beiden Seiten bedeutet, dass zwei Babies geboren werden.
Eine andere Methode ist, dass ein tiefer und voller Puls an der linken Hand einen Jungen anzeigt, während ein oberflächlicher und großer Puls ein Mädchen anzeigt; wenn der Puls an beiden Händen tief und voll ist, werden nach der Regel männliche Zwillinge geboren; ist der Puls an beiden Händen oberflächlich und groß, werden in der Regel weibliche Zwillinge geboren.
Eine andere Methode besagt, wenn der Chi-Puls an der linken Seite groß ist, zeigt es einen Jungen an, wenn der Chi-Puls an der rechten Seite groß ist, wird es ein Mädchen; ein großer Puls an beiden Chi-Positionen zeigt Zwillinge an; ein großer Puls ähnelt dem vollen Puls.
Eine andere Methode besagt, dass eine Schwangere nach Süden gehen soll; rufe nach ihr und sie dreht sich nach links, dies bedeutet, ein Junge wird geboren, dreht sie sich nach rechts, zeigt dies ein Mädchen an.
Eine andere Methode ist, wenn der Ehemann der Schwangeren ein Knötchen auf seiner linken Brust entwickelt, bedeutet dies ein männlicher Embryo, ein Knötchen auf seiner rechten Brust zeigt einen weiblichen Embryo an." (Mai Jing, Buch 9, Kap. 1)
Erst in der Tang-Zeit (618 - 907 n. Chr.) wurden Bücher geschrieben, die sich ausschließlich mit der Frauenheilkunde beschäftigten. Von dem berühmten Miǎo (581-682) heißt es, es sei um ein Vielfaches schwieriger, eine Frau zu heilen, als einen Mann, denn:
"Den Frauen (von den Männern) unterscheidend Rezepte zu verordnen, begründet sich durch (die Unterschiede), die Schwangerschaft, Geburt und Verletzung der Gebärmutter mit sich bringen. Daher sind die Krankheiten der Frauen zehnmal schwieriger zu behandeln, als die der Männer". (Bèi Jí Qiān Jīn Yąo Fāng , Kap. 2).
Störungen bei Frauen sind demnach komplizierter, weil krankmachende Einflüsse nicht nur im Normalzustand abzuwehren sind, sondern zusätzlich während der besonderen Umstände der Schwangerschaft, Geburt und Menstruation. Diese Stelle wird in der Literatur immer wieder zitiert und ist der Anfang einer Systematisierung der Frauenheilkunde in der chinesischen Medizin. Andererseits zielten Sun Si Miao’s Kapitel über Frauenheilkunde nicht nur darauf ab, als Anleitung für Mediziner zu gelten, sondern waren auch als Lektüre für Frauen bestimmt.
"Deswegen muss in der Familie ... unbedingt dafür gesorgt werden, dass die Töchter (des Hauses) diese drei Kapitel mit Rezeptanweisungen für Frauen lernen. Lasst sie diese gut wissen! Was könnte es dann noch in dringenden (Krankheits-) fällen für Sorgen und Angst geben?" (ebenda)
Hier scheinen die Kapitel über Frauenheilkunde im Bei Ji Qian Jin Yao Fang als Aufklärungswerk für junge Frauen gedacht zu sein, denn schon damals konnte unter Umständen ein Schreck entstehen, wenn ein Mädchen zum ersten Mal ihr Menstruationsblut sah.
Die Tatsache, dass Sun Si Miao drei Kapitel seines Buches der Frauenheilkunde widmet, zeigt, wie wichtig er die Besonderheiten in der Therapie der verheirateten Frau einschätzte. Sun widmete sein ganzes Leben dem Studium und der Praxis der Medizin. Trotz vieler Angebote zum Vorsitz des damaligen kaiserlichen Medizinbüros schlug er diesen gutbezahlten und honorigen Posten aus, um frei für seine Patienten zu bleiben.
"Daraus ergibt sich, dass es für den Studierenden absolut notwendig ist, die Grundlagen der Medizin zu beherrschen und unermüdlich an sich zu arbeiten. Er darf nicht herumschwatzen, sondern muss seine Worte allein der medizinischen Lehre widmen. Nur so hält er sich von Irrtümern weit entfernt" (ebenda, Kap. 1).
So wurde Sun der Begründer einer therapeutischen Ethik und eines professionellen Umgangs mit dem Patienten. Sun Si Miao selbst lebte bescheiden und ging vollkommen in seiner Bestimmung, Arzt zu sein, auf. Er war einer der Ersten, der ethisch-moralische Grundsätze für den eigenen Berufsstand formulierte:
"Nach den Regeln der Medizin ist es nicht statthaft, redselig zu sein und provokative Reden zu führen, sich über andere lustig zu machen und eine laute Sprache zu gebrauchen, über Recht und Unrecht zu entscheiden und über andere Leute und deren Angelegenheiten zu diskutieren. Schließlich ist es unangebracht, den eigenen Ruhm herauszustellen, alle übrigen Ärzte zu schmähen und nur die eigene Tugend zu loben." (ebenda)
Ein Zeitgenosse des Sun Si Miao war
Chāo Yuįn Fāng, der die Abhandlung Zhū Bģng Yuán Hòu Zǒng Lùn ("Über den Ursprung und Verlauf aller Erkrankungen") verfasste. Er war als Mediziner van 605 bis 616 am kaiserlichen Hofe der Sui-Dynastie tätig.In seinem Buch werden in 67 Unterabteilungen (mén ) Krankheitsursache, Erscheinung und Verlauf von Wind- und Kältekrankheiten, Kinderleiden, Frauenleiden, verschiedenen Formen von Durchfall oder Wurmbefall u. v. m. behandelt.
Der Teil des Texts, der sich mit Frauenleiden befasst, ist wesentlich ausführlicher als der Text von Sun Si Miao. Wir finden ein Kapitel über "Verläufe schwieriger Krankheiten bei Frauen", ein zweites Kapitel über "Verläufe von Krankheiten während der Schwangerschaft" , ein drittes Kapitel über "Verläufe von Komplikationen während der Geburt" und ein weiteres Kapitel über "Verläufe von Krankheiten unmittelbar nach der Geburt".
Auch das erste Handbuch über Frauenheilkunde wurde in der Tang-Zeit im Jahre 897 von
Zǎn Yīn geschrieben. Das Jīng Xiąo Chǎn Bǎo ist das älteste in China überlieferte eigenständige Werk über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.Die Song-Dynastie (960 - 1279) brachte eine Neuorientierung im Denken basierend auf alte Werte mit sich und eine Tendenz der Systematisierung des bisherigen Wissens auch in der Medizin. In dieser Epoche findet eine Neubegründung und Institutionalisierung der Frauenheilkunde statt. Unter der Herrschaft der Song-Dynastie kam es zu einer Rückbesinnung auf die eigenen alten Traditionen, besonders die des Konfuzianismus, und die buddhistisch-daoistische Ideologie der früheren Kaiserhäuser in der Tang-Zeit wurde abgelöst. Das Bedürfnis, über alle früheren Errungenschaften einen Überblick zu gewinnen und zu einer Synthese zusammenzufassen, gepaart mit einem praktischen Rationalismus, der auf alle Wissensgebiete einwirkte, führte zu einem wissenschaftlichen und geistigen Aufschwung, der unter dem Stichwort "Neokonfuzianismus" in die Geschichte Chinas einging.
Ein Interesse an der Frauenheilkunde hatte es schon, wie wir gesehen haben, seit dem frühesten Altertum gegeben. Aber erst im song-zeitlichen kaiserlichen Medizinamt Tài Y
ī Jś wurde eine eigene Abteilung für Frauen- und Geburtsheilkunde fù chǎn kē geschaffen, in der auch Prüfungen abgehalten und so ein Qualitätsstandard festgelegt wurde.Die Entwicklung einer eigenen Frauenheilkunde zeigt auch das größere Interesse an der Gesundheit der Frau seit der Song-Dynastie. Die Frau wird hier stärker an ihre Rolle innerhalb der Familie gebunden. Diese Neuerung, die übrigens auch mit einem neuen Verständnis des Kindes einherging, hing möglicherweise mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zusammen. Denn die Führungsschicht der Song-Dynastie rekrutierte sich nicht mehr aus Adligen, die sich allein durch ihre Herkunft qualifizierten, sondern aus Beamten, die sich so gut in den Klassikern auskannten, dass sie die verschiedenen Staatsprüfungen bestanden und einflussreiche Positionen im Staat erwarben.
Die Aufgabe der Erziehung hatte in der chinesischen Führungsschicht hauptsächlich die Mutter, da der Vater sich oft seines Amtes wegen fern von der Heimat aufhalten musste. So konnte die Gesundheit der Frau in ihrer Rolle als Garantin von männlichem Nachwuchs und dessen erfolgreicher Erziehung an Bedeutung gewinnen.
Im China der Song-Dynastie kam auch der Brauch des Fußbindens bei Frauen auf, der sich allmählich über das ganze Land verbreitete und sich bis in das 20. Jahrhundert erhalten hat. Auch dieses Ritual hatte den Zweck, die Frau an Heim und Herd zu binden und eigenständige Schritte nach außen zu unterbinden. Auch sollte sich durch den trippelnden Gang der so behinderten Frauen die Beckenmuskulatur trainieren, damit ihre Vagina so eng und straff wie die einer Jungfrau wurde und dem Mann im Liebesspiel besondere Wonnen schenken konnte.
Über den vorliegenden Text Nü Ke Bai Wen – 100 Fragen zur Frauenheilkunde:
Der hier vorliegende auszugsweise übersetzte Text aus der Frauenheilkunde ist Zeugnis des hohen Wissensstandes, wie er für die Song-Zeit repräsentativ ist. Der Autor Qí Zhòng Fǔ ist zweifellos dieser medizinischen Ausrichtung des Neokonfuzianismus zuzuordnen. Leider gibt es kaum biographische Angaben über ihn in der einschlägigen Literatur. Qi Zhong Fu war wohl ein Professor des kaiserlichen Medizinbüros der Song-Zeit und der Autor der Schrift
Nǚ Kē Bǎi Wčn ("Hundert Fragen zur Frauenheilkunde", geschrieben 1220). Dieses Buch, das sich ausschließlich über die Gesundheit und Krankheit der Frau sorgt, beschreibt alle möglichen Störungen nicht nur der verheirateten Frau mit ihrer Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und ihre Behandlung mit Kräutern. In Nachschlagewerken und Lehrbüchern der traditionellen chinesischen Medizin wird das Nu Ke Bai Wen deshalb als eine für die Frauenheilkunde wichtige Quelle genannt und oft darauf verwiesen.Der Text im Nü Ke Bai Wen fällt durch seinen systematischen Aufbau auf. Im klassischen Frage- und Antwortstil werden insgesamt 100 Themen angesprochen, wobei man die Fragen eher als Formulierung einer These betrachten könnte, die vom Autor dann belegt wird. Dieser Stil ist uns aus der medizinischen Literatur seit dem Huang Di Nei Jing bestens bekannt, wo der Leibarzt Qi Bo auf die Fragen des gelben Kaisers nach bestem Wissen und Gewissen antwortet. Die Fragen 1 bis 50 behandeln die Frau im Normalzustand und im Krankheitsfall, es werden die verschiedensten Krankheitsbilder erklärt und behandelt.
Die Fragen 51 bis 100 geben Auskunft über Probleme der Konzeption, der Schwangerschaft, der Geburt und während der Stillzeit. Es werden im Folgenden die Fragen Eins bis Sieben und zwei Fragen aus dem zweiten Abschnitt (Frage 51 und 52) übersetzt:
1. Frage: Essenz und Blut ist der grundlegende Unterschied zwischen Mann und Frau. Warum ist das so?
Die Antwort lautet:
Essenz (
jīng) bildet die Wurzel (běn) des Mannes, Blut (xuè ) bildet die Quelle (yuán 源) der Frau.Das Männliche ist Yang. Im Yang muss es auch Yin geben. Im Yin ist die Zahl 8. Deshalb: mit 1 x 8 Jahren steigt die Yang-Essenz herab, mit 2 x 8 Jahren ist die Yang-Essenz überfließend.
Das Weibliche ist Yin. Im Yin muss es auch Yang geben. Im Yang ist die Zahl 7. Deshalb: mit 1 x 7 Jahren steigt das Yin-Blut nach oben, mit 2 x 7 Jahren ist das Yin-Blut überfließend.
Yang-Essenz und Yin-Blut, beides kommt durch die 5 Geschmäcker in der Nahrung zur vollen Blüte. Sie bilden so die Wurzel des Männlichen und die Quelle des Weiblichen. Ihre Kraft steigt nach oben: Wissen und Überlegung (zhì lǜ) entwickeln sich zur Klarheit, der Zahnwechsel beginnt, die gelben Haare des Menschen werden schwarz, die Schwäche seiner Muskeln und Sehnen (
jīn) wird zur Stärke und der Mensch wird vollständig. Alles füllt sich, Körper, Gliedmaßen und Gestalt, Hände, Füße, Ohren und Augen kommen hinzu. Selbst Stellen (so groß) wie eine Nadelspitze oder ein Senfkorn, alles füllt sich (mit Essenz und Blut) bis zum Äußersten.Alle Kinder erscheinen ihren Eltern ähnlich. Diese bedecken sie mit (ihrer) Essenz und Blut, so erfahren sie die Körper ihrer Eltern. So gibt es nichts, was nicht schon durchlaufen wäre. Wenn also beim Vater eines seiner Gliedmaßen verfallen (fèi ) ist, wird beim Kind eines seiner Gliedmaßen nicht denen der Eltern ähneln. Ist ein Augenfehler vorhanden, wird ein Auge des Kindes anders sein als die der Eltern.
Es ist so, dass weibliches Geflügel und überhaupt alle weiblichen Tiere keine Geschlechtsreife (
tiān guǐ>) haben und trotzdem trächtig (chéng tāi) werden können. Wie kommt das? Bei Vögeln und Tieren kommt und geht die Essenz und das Blut zwischen ihren Schwänzen.Ist die Essenz (des Mannes) noch nicht durchdringend (wèi tōng ) und dringt umgekehrt das Weibliche (Blut) in die Essenz ein, dann haben die 5 Körperstrukturen (wǔ tǐ ) (des Kindes) Stellen, die ungenügend
gefüllt sind. Zu anderer Zeit gibt es dann Krankheiten mit hässlichen Erscheinungen (nán zhuàng).
Wenn das Yin (Geschlechtsteil) schon kraftlos ist (yīn yǐ wěi ) und die Gedanken trotzdem auf (den Verkehr mit) Frauen gerichtet sind, steigt die Essenz (des Mannes) herab. Doch kann die Essenz nicht austreten und sie verdirbt im Inneren (nèi bài ). Das Wasserlassen ist dann mühsam und schließlich entsteht Harnträufeln (lín ). So wird die Essenz (des Mannes) verbraucht und wiederholt erschöpft!
Die Frau hat ihre Geschlechtsreife schon erreicht und hat über 10 Jahre keine Vereinigung (hé ) mit einem Mann. Das bedeutet: ohne Ausgleich sein (bù tiào ). Auch wenn sie weniger als 10 Jahre ohne Vereinigung mit einem Mann ist, bedeutet dies ebenfalls: ohne Ausgleich sein. Ohne Ausgleich zu sein bedeutet, altes Blut kommt nicht heraus und frisches Blut kann sich nicht bewegen. Entweder durchtränkt (zì ) es und dringt in die Knochen ein oder es wandelt sich und bildet Schwellungen (zhǒng ). Oder es kommt dann trotz Vereinigung nur schwer zu Nachkommen.
Übermäßige Vereinigung mit einem Mann führt zu Tröpfeln (lì ), Auszehrung (
kū) und Schwäche (xū) im Menschen (bei der Frau). Kommt dazu noch übermäßiger Milchfluss, trocknet das Blut aus und tötet den Menschen (die Frau).Das Betrachten von Essenz und Blut ist mehr als die Hälfte von dem, was (in der Frauenheilkunde) zu bedenken ist!
Frage 2:
Nach alter Regel (sollten) Männer mit 30 Jahren und Frauen mit 20 Jahren heiraten. Wieso?Die Antwort lautet: Der Himmel verschafft sich Ehrfurcht (zūn) durch hartes Yang. Die Erde erlangt Bescheidenheit (bēi) durch weiches Yin. Dadurch wird die Struktur (tǐ ) von Qiān und Kūn gefestigt. Wenn der Himmel (sich) nicht wie hartes Yang (verhält) und die Erde nicht wie weiches Yin, dann ist auch die Struktur von Qian und Kun nicht gefestigt.
Es ist folgendermaßen: Das Dao des Qian vollendet das Männliche, das Männliche dreht sich von Kind an zur linken Seite. Es sammelt sich bis zum 30. Lebensjahr an und vollendet sich. Deshalb heiratet der Mann mit 30 (Jahren). Dies ist der passende Zeitpunkt, an dem sich das Yang des Himmels (tiān yįng ) vollendet und fest wird.
Das Dao des Kun vollendet das Weibliche, das Weibliche dreht sich von Kind an zur rechten Seite. Es sammelt sich bis zum 20. Lebensjahr an und vollendet sich. Deshalb heiratet die Frau mit 20 (Jahren). Sie erreicht dann ihren (richtigen) Zeitpunkt. Das Yin der Erde (dì yīn ) ist jetzt im Einklang (shùn ). Deshalb wird sie (die Frau) besonders in dieser Zeit ein sehr kräftiges Kind bekommen. Man nennt dies: Die Struktur von Qian und Kun ist schon gefestigt.
Wenn (Mann und Frau) nicht ihren (rechten) Zeitpunkt erreicht haben und (trotzdem) heiraten, dann wird das harte Yang und das weiche Yin sicher verloren gehen.
3. Frage:
Warum empfinden Frauen Krankheit um ein Vielfaches stärker als Männer?Die Antwort lautet: Jede verheiratete Frau eines Paares stellt einen Ort dar, in dem sich eine große Menge Yin ansammelt. Sie sind stets wie feuchte Kammern (shī jū). Wenn sie über 14 (Jahre alt) sind, kommt ihr Yin-Qi an die Oberfläche und ist überfließend.
Hundert Wünsche (xiǎng ) gehen durch ihr Herz. Im Inneren schädigt dies die Zang Fu-Organe, im Äußeren schadet es ihrer Schönheit (zī róng). Das Monatswasser (yuè shuǐ) geht und verweilt abwechselnd. Wenn stockendes Blut (yū xuč) allerdings stehen bleibt und sich zusammenballt (tíng níng ), ist der zentrale Weg (des Blutes) völlig abgeschnitten und unterbrochen (jué duàn ).
Die darunter fallenden Verletzungen können (hier) nicht alle diskutiert werden. Wenn Kälte und Hitze die Zang Fu (schädigen) und Leere und Fülle sich miteinander vermischen (jiāo cuņ), dann füllt übles Blut das Innere. Das Qi und die Gefäße werden (übermäßig) verbraucht und erschöpfen sich (hào jié ).
Manchmal sind auch Essen und Trinken regellos (wú dù ). Die daraus entstehenden Schäden sind unzählig. Oder die Geburtswunde ist noch nicht verheilt und es kommt zum Geschlechtsverkehr (hé qí yīn yáng ). Oder beim Wandern und Reisen (im Freien) kommt ein Wind. Möglich ist auch, dass der Wind beim Hocken auf der Toilette von unten eindringt und hochsteigt.
Beim Vollenden von Stuhlgang und Wasserlassen (biàn chéng ) kann es zu den 12 chronischen Krankheiten (gū jķ ) kommen. Deshalb muss für die Frau ein eigenes Lehrfach (in der Heilkunde) eingerichtet werden. Ähnlich ist es mit dem Qi der vier Jahreszeiten. Leere und Fülle, Kälte und Hitze führen (hier) zu Leiden (huàn ). Deshalb ist hier die Therapiemethode beim Ehemann die gleiche. Nur wenn (die Frau) in der Schwangerschaft krank wird, muss sie giftige Kräuter meiden und fürchten, sonst wird womöglich die Leibesfrucht geschädigt.
Im Allgemeinen sind Frauen durch (Gefühle wie) Güte (cí ), Sehnsucht (liàn ), Hass (zēng ), romantische Liebe (ài ), krankhafte Eifersucht (jí dù), kummervolle Sorge (yōu ) und Wut (huì) gefärbt und festgelegt (jiān lįo). Sie haben keine Selbstbeherrschung in ihren Gefühlen. Deshalb sind ihre Krankheitsursachen oft tiefgründig (shēn) und die Krankheit nur schwer zu heilen. Wenn man also sagt, Frauen empfinden Krankheiten um ein Vielfaches stärker als Männer, meint man genau das!
4. Frage
: Warum spricht man vom himmlischen Wasser (Tian Gui)?Die Antwort lautet:
Es heißt, rén > und guǐ > sind die Himmelsstämme des Nordens und des Wassers. Ren bildet Yang-Wasser. Gepaart mit (dem Himmelsstamm) dīng wandelt es sich in Holz um. Gui bildet Yin-Wasser. Vereinigt mit (dem Himmelsstamm) wù wandelt es sich zu Feuer um. Die Klassiker sagen: Es gibt Wasser und Feuer. Sie bestätigen die Zeichen von Yin und Yang. Überdies ist die (verheiratete) Frau ein Sammelplatz von viel Yin. Vermittels des Yin ordnet sich das Yin.
Deshalb hat das Wasser den Himmelstamm Gui. Die Frau erreicht (ihre Geschlechtsreife) mit 2 x 7 (Jahren). Das Nieren Qi ist gänzlich gefüllt, Chong und Ren (Mai) fließen ungehindert. Das Blut der Leitbahnen füllt sich allmählich. Zur entsprechenden Zeit steigt (es) herab. Das himmlische echte Qi steigt (nun) besonders herab und unterstützt diese Angelegenheit. Deshalb spricht man vom himmlischen Wasser (tiān guǐ).
Das Nei Jing sagt: Mit 2 x 7 (Jahren) kommt Gui an. Der rèn mài ist durchgängig und der tài chōng mài > ist voll. Die monatliche Angelegenheit kann nun zeitgemäß herabsteigen. Deshalb gibt es Kinder.
Es verhält sich so: Chong (Mai) bildet das Meer des Blutes, Ren (Mai) beherrscht den Mutterleib. Das Yin ist still, das Meer ist voll, diese zwei verlassen sich aufeinander. Deshalb gibt es Kinder.
5. Frage
: Warum heißt es: die Periode erwarten (Jing Hou)?Die Antwort lautet: Mit 14 Jahren erreicht die Frau ihre Geschlechtsreife. Ihr Nieren-Qi ist in voller Blüte (quán shèng ), Chong (Mai) fließt () und Ren (Mai) ist durchgängig (tōng ). Das Blut hat allmählich einen Überschuss (jiàn yíng ). Zur entsprechenden Zeit kommt es herab. Für gewöhnlich sieht man es einmal in 30 Tagen. Bei Überschreitung dieser Zeit (entsteht) Krankheit. Deshalb sagt man: die Regel erwarten (jīng hņu >jīng > = Periode für cháng = regelmäßig und hòu = Warten (auf den richtigen Zeitpunkt) für das Yin und Yang des einen Körpers (steht). Das Qi der Periode ist regelmäßig in seiner Aufwartung und seinem Ankommen. Entspricht nicht das Warten auf Ebbe und Flut (cháo hòu) ebenfalls einer Zeitperiode? Das himmlische echte Qi (tiān zhēn zhī qģ ) gewährleistet ihr ungehindertes Fließen (). Deshalb (gibt es) einmal im Monat einen Durchgang, sanft und friedlich, ohne einen Fehler im Zeitpunkt. Darum heißt es jīng hņu > = "die Periode erwarten", auch genannt yuè shuǐ > = "Monatswasser".
6. Frage
: Wie kommt es, dass beim Warten auf die Periode diese mal zu früh, mal zu spät oder mal zu unbestimmter Zeit erscheint?Die Antwort lautet: Krankheiten der verheirateten Frau treten auf, wenn das Monatswasser plötzlich zuviel oder plötzlich zu wenig oder entweder zu früh oder zu spät erscheint. Manchmal entwickeln sich dabei Schmerzen. Die Mediziner berufen sich in allen Beispielen auf Krankheiten der Regel (jīng bģng ). Niemals sollte man (allerdings) einfach sagen, das Yin besiegt das Yang! In dem Fall wird eine Dosis an Medizin wenig Wirkung haben. Denn Yin-Qi im Überfluss überwältigt das Yang, sodass kaltes Qi in der Gebärmutter Kälte (hervorbringt). Das Blut ist dann nicht (mehr) in Bewegung. Die Klassiker sagen deshalb: Kälte am Himmel lässt den Erdboden gefrieren, dass Wasser erstarrt und wird zu Eis. So kommt es, dass plötzlich (das Monatswasser) weniger wird und erst später als nach einem Monat eintritt.
Ähnlich ist es, wenn das Yang-Qi im Überfluss ist und das Yin überwältigt. In dem Fall fließt das Blut sich exzessiv zerstreuend (sǎn yì). Die Klassiker sagen deshalb: die Sommerhitze am Himmel lässt den Erdboden heiß werden, das Monatswasser läuft kochend über (fèi yì ), sodass plötzlich (die Blutung) zuviel ist und schon früher als nach einem Monat (einsetzt).
Man sollte (immer) das Yin und das Yang in Einklang bringen (hé ) und Qi und Blut harmonisch mischen (tiáo). Dann kehrt Ruhe ein und das Glück ist gewiss!
(Krankheiten und Rezepturen):
Das Yang-Qi besiegt das Yin: die Regel kommt fälschlicherweise
(zu früh) und (die Blutung ist zu) viel.
Rezeptur
: Dang Gui Yin = Trank mit Dang Gui. Er zügelt das Yang und hilft dem Yin. So werden die Leitbahnen und Gefäße (jīng mąi) harmonisch ausgerichtet.Rezeptur: Chen Xiang Jiang Qi Tang = Suppe mit Chen Xiang zum Absenken des Qi. Sie fördert den natürlichen Verlauf des Qi und durchlüftet die Gefäße.
Das Yin-Qi besiegt das Yang: die Regel kommt fälschlicherweise (zu spät) und (die Blutung ist zu) wenig.
Rezeptur:
Qi Wu Tang = Suppe mit 7 Substanzen. Sie heilt bei der verheirateten Frau eine Schwäche des Ying- und Wei-Qi. Der Menstruationsfluss ist verzögert, manchmal sind viel, manchmal aber auch wenig Bauchschmerzen dabei.Rezeptur: Zi Shi Ying Wan = Pillen mit Zi Shi Ying. Sie heilen Krankheiten der verheirateten Frau, bei der die Regelblutung oft zu wenig ist und verspätet erscheint. Manchmal treten auch Schmerzen dabei auf.
Rezeptur:
Jin Hua San = das goldene Blüten-Pulver heilt bei verheirateten Frauen Hitze im Blut während der Regel und Blutungen, die nicht aufhören wollen. Der Mund ist bitter, die Zunge ist trocken, die Regel ist verspätet und blockiert.Rezeptur: Tong Jing Wan = Pillen, um die Leitbahnen durchgängig zu machen. Sie heilen Krankheiten der verheirateten Frau und der Mädchen im Haus, die auf die Regel warten, wenn diese blockiert ist. (Die Frau) hat starke Schmerzen, eventuell bilden sich auch Blutklumpen.
Rezeptur: Wu Ling Zhi San = Pulver mit Wu Ling Zhi. Es heilt das Warten auf die Periode, dass nicht endet. Diese Verschreibung hilft und befreit (ohne Gleichen)!
Rezeptur:
Wen Jing Tang = Suppe zum Wärmen der Leitbahnen. Sie heilt Leere-Schäden im Chong und Ren (Mai). Die Regel kommt verspätet und ist nicht ausgeglichen. Mal kommt sie zuviel und ununterbrochen, mal kommt sie weit über den erwarteten Zeitpunkt nicht. Oder das Blut stürzt heraus im Übermaß und unaufhörlich. Überdies heilt sie nach Zeng’s Klassiker Schäden (in Verbindung damit), schwanger zu sein. Wenn das Blut stagniert und zeitweilig stoppt, entstehen im Unterbauch Druckgefühle und Schmerzen und Hitze im unteren (Teil des Körpers) mit Harnverhaltung. (Die Frau) hat Hitze in den Handtellern, sie ist unruhig und ihre Lippen und der Mund sind trocken. Wenn dann noch Kälte in den Unterbauch kommt, kann sie für eine lange Zeit nicht schwanger werden.
7. Frage: Zu dem Zeitpunkt an dem das Monatswasser kommt, ist (die Frau) schlecht gelaunt und missgünstig. Wieso?
Die Antwort lautet: Es gibt vier Leitbahnen, die das Monatswasser der verheirateten Frau beherrschen. Erstens sind es die zwei (außerordentlichen) Gefäße Chong und Ren (Mai), zweitens die Leitbahnen Shou Tai Yang und Shao Yin. Es ist so, dass der Chong Mai das Meer des Blutes bildet und der Ren Mai den Uterus (
bāo>胞) und den Embryo (tāi) beherrscht. Wenn diese Zwei harmonisch zusammenwirken, gibt es Nachkommen.Shou Tai Yang ist die Leitbahn des Dünndarms. Es ist das Fu-Organ und beherrscht die Außenseite. Das Äußere entspricht dem Yang. Shou Shao Yin ist die Leitbahn des Herzens. Es ist das Zang-Organ und beherrscht das Innere. Das Innere entspricht dem Yin. Diese zwei Leitbahnen bilden oben die Muttermilch (rǔ zhī ) und unten das Monatswasser (yuè shuǐ ).
Es kann nun sein, das Qi und Blut durch Strapazen geschädigt worden sind (láo shāng). Dieses bewirkt eine Leere im Körper. Gerät (die Frau) nun unter Einfluss von Wind und Kälte, nisten sich Wind und Kälte in den Leitbahnen und ihren Verästelungen (jīng luņ) ein und greifen Qi und Blut an. Wenn das Blut die Kälte empfängt, dann stagniert es und stoppt (yōng zhģ). Dieser Zustand ist unpassend für ein günstiges (Abfließen) des Monatswassers.
Rezeptur: Yang Rong Tang = "Suppe zum üppigen Nähren"; sie heilt bei der verheirateten Frau eine Schwäche im Blutmeer (xuè hǎi), das Herz ist plötzlich verwirrt und trübe (huǎng hū ), gleichzeitig tritt starkes Herzklopfen mit Angstzuständen (jīng jģ ) auf. Vielleicht entsteht auch Leere-Hitze. Das Warten auf die Periode ist sehr unangenehm (bù diào ).
51. Frage: Wenn Männer und Frauen am Anfang ihre Gestalt erhalten, wie kommt es zu einer Unterscheidung?
Die Antwort ist: Wenn Mann und Frau sich vereinigen, kommt es zum leidenschaftlichen Geschlechtsverkehr Zweier, die in Liebe entbrannt sind (qín
g jiāo chąng 情交暢). Wenn das Yin-Blut als Erstes ankommt und die Yang-Essenz hinterher stürmt, öffnet sich das Blut und umhüllt die Essenz. Die Essenz tritt ein und bildet die Knochen.Schließlich vollendet sich die männliche Gestalt. Wenn die Yang-Essenz zuerst eintritt und das Yin-Blut danach hineinsickert, dann öffnet sich die Essenz und umhüllt das Blut. Das Blut tritt ein und bildet die Grundlage, so vollendet sich die weibliche Gestalt.
Das Yang-Qi versammelt sich im Gesicht, deshalb liegt die Betonung des männliches Kindes in seinem Gesicht. Wenn man durch Ertrinken stirbt (nì sǐ ), ist es sicher, dass man mit dem Gesicht nach unten liegt (fú ) und das Yin-Qi sich auf dem Rücken sammelt. Deshalb liegt die Betonung des weiblichen Kindes in seinem Rücken.
Wenn man durch Ertrinken stirbt, sollte man mit dem Gesicht nach oben liegen (yǎng ). Vögel und andere Biester (niǎo shòu ) liegen, wenn sie durch Ertrinken gestorben sind, alle hingestreckt auf dem Rücken.
Wenn Yin und Yang gleichmäßig ankommen, ist der Körper weder männlich noch weiblich. Dann zerstreuen sich die Essenz und das Blut und trennen sich. Gleichzeitig entsteht im Uterus ein Produkt, dass wie ein Embryo erscheint.
Ist der Vater jung und die Mutter alt, dann wird bei der Geburt eines Mädchens dieses sicher ausgezehrt sein (léi ). Wenn die Mutter stark und der Vater kümmerlich ist, dann wird bei der Geburt eines Jungen dieser sehr schwach sein (ruò ). Die außergewöhnlichen Gelehrten des Altertums haben diese (Zusammenhänge) besonders geprüft.
Wenn das Qi (des Neugeborenen) jedoch erkrankt ist, muss man es auffüllen (bǔ <). Das hilft dem ausgezehrten Mädchen. Man nährt dann das Blut und stärkt die Milz. Um einen schwachen Jungen zu stärken, stärkt man die Milz und das Aussehen der Gelenke. Ein mageres Mädchen sollte man rechtzeitig zu verheiraten (jià ). Ein schwacher Jungen sollte zuerst gestärkt und erst dann verheiratet werden (
hūn ). Diese Krankheiten sind anders, als die gewöhnlichen Angelegenheiten (eines Arztes), man sollte sie unbedingt untersuchen!
52. Frage: Wann spricht man von einer Schwangerschaft?
Die Antwort lautet: Die Klassiker sagen: Ein Monat nach dem Erwarten der Regel fühlt es sich blockiert an (bù tōng ). Untersuche den Puls der Patientin und achte darauf, ob er harmonisch ist. Wenn die verheiratete Frau keine Krankheit hat, dann möchte sich ein Embryo bilden (zuò tāi ).
Das Mai Jing sagt auch: Natürlich muss bei jeder verheirateten Frau untersucht werden, ob sie schon ihre Menopause (
jīng duąn ) erreicht hat. Und der Meister sagt: Im 1. Monat bildet sich der Embryo (pēi), im 2. Monat ist der Beginn von gāo>, der "fettigen Paste" und im 3. Monat bleibt die Regel stehen; heutzutage sagt man: gelegentliche Regel (jū jīng). Dies genau dient der Bildung des Embryos.Ren Shen Wan
= "Ginseng-Pillen": nähren das Yin (yǎng yīn), bringen das Blut hervor (shēng xuč) und füllen eine Leere auf (bǔ xū).
Verfasser:
Udo Lorenzen
Projensdorfer Str. 14
24106 Kiel
0431-330303
Vita: seit 1988 Heilpraktiker mit eigener Praxis in Kiel; 1983 Ausbildung an der Academy of Chinese Acupuncture in Colombo/Sri Lanka; seit 1991 Studium klassischer chinesischer Texte, u.a. am sinologischen Institut der Universität Kiel; 1990 Diplom der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin e.V.; seit 1993 Leiter des Ausbildungszentrums Nord für Klassische Akupunktur und TCM; 1994 Studienreise nach China und Fortbildung an der University of TCM in Chengdu; seit 2002 Magisterstudium in Geschichte der Medizin, Sinologie und Pädagogik an der Uni Kiel; Autor der Bücher: Terminologische Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin (1998); Mikrokosmische Landschaften – Übergreifende Konzepte in der chinesischen Medizin (2006); gemeinsam mit Andreas Noll Autor der Buchreihe: die Wandlungsphasen der traditionellen chinesischen Medizin (5 Bände 1992 – 2002); Autor vieler Fachartikel über traditionelle Akupunktur in deutschen und ausländischen Fachzeit-schriften.